Schalke kann nicht kämpfen

28. Nov. 2010 | 14 Kommentare

Ich bin nicht sauer. Ich bin auch nicht traurig oder enttäuscht. In mir hat sich seit gestern eine Leere in Bezug auf Schalke breitgemacht, die ich nicht in Worte fassen kann. Schalke ist mir natürlich nicht egal und ich bin weit davon entfernt, jetzt die große Keule herauszuholen und auf die Mannschaft einzuprügeln. Schließlich ist es genau die Mannschaft, die gegen Bremen und Lyon noch für ungeahnte Glücksgefühle gesorgt hatte. Ich habe mich gestern für meinen FC Schalke 04 geschämt. Für die Mannschaft sowieso, aber auch für die (wenigen) Fans, die nach dem Spiel nichts Besseres zu tun hatten, als die alte Magath-raus-Leier wieder anzustimmen. Denn wenn es gestern eine Person gab, die am Debakel vom Betzenberg schuldlos war, dann ist es der Trainager. Oder glaubt tatsächlich jemand, Magath habe die Mannschaft mit den Worten „Geht raus, verliert jeden Zweikampf, wer braucht schon ein Mittelfeld, Passspiel wird überbewertet und nach Ecken hat Kaiserslautern noch nie ein Tor gemacht!“ auf das Feld geschickt? Nein, diese taktische Herangehensweise an das Spiel in Kaiserslautern hat das Team ganz alleine ausgeheckt und umgesetzt.

Gestern machte Schalke alles falsch, was man überhaupt falsch machen konnte. „Positiv“ ist dabei einzig zu bewerten, dass die Mannschaft als Kollektiv auftrat und eine kontante Leistung über die gesamten 90 Minuten zeigte: alle waren unterirdisch schlecht und das von der ersten bis zu letzten Minute.

Kaiserslautern bot Schalke vom Start weg ein Kampfspiel an – und Schalke tappte in diese Falle. So ging es zu keiner Phase des Spiels darum, wer den besseren Fußball spielen kann, sondern wer „galliger“ in die Zweikämpfe geht. Innerhalb von Minuten hatte Lautern so das Schalker Mittelfeld komplett aus der Partie genommen. Schalkes Spielaufbau beschränkte sich fortan nur noch auf lange Bälle auf die Außenbahnen, die meisten direkt ins Niemandsland oder ins Seitenaus. Zwei schnelle Tore nach Eckbällen spielten den Gastgebern in die Karten – spätestens nach 25 Minuten war die Messe auf dem Betzenberg gelesen. Als dann noch Raúl in der Schlussphase der ersten Halbzeit eine 400%ige Chance liegen lässt, war klar, dass es noch nicht einmal mehr ein Aufbäumen gegen die drohende Schmach geben wird. Das 3:0 nach einem Konter, das 4:0 durch Elfmeter und das abschließende 5:0 durch die Schalker Leihgabe Moravek – alles eine logische Folge einer Partie, an der Schalke zu keinem Zeitpunkt teilgenommen hat.

Ihren stärksten Moment hatten die Spieler nach dem Abpfiff, als sie sich auf Anweisung des Trainagers artig in die Gästefankurve begaben und eine Minute lang auspfeifen ließen. Pflichtbewusst demonstrativ zur Schau getragene Demut als einziger Dank an die mitgereisten Anhänger? Ich hätte gerne darauf verzichtet!

Nach den Jubelarien der letzten Woche wird es diesmal wieder eine äußerst interessante Woche auf Schalke werden. Es werden die üblichen Mechanismen greifen: Fatalismus bis Dienstag, ab Mittwoch dann die gewohnten Ärmel-hochkrempeln-Parolen und das Versprechen, gegen Bayern einen richtigen Fight zu zeigen. Wenn es jedoch eines gibt, das die Mannschaft gestern gelernt hat, dann, dass sie nicht fighten kann. Das Schalker Mannschaftsgebilde gleicht einem hochgezüchteten Turnierpferd, das mit traumwandlerischer Sicherheit durch jeden CHIO-Parcours fliegt. Spannt man ein solches Pferd jedoch vor einen Pflug, wünscht man sich schnell den alten, lahmenden Ackergaul wieder, der auch bei Wind und Wetter wacker das Terrain bewirtschaftet.

Mehr zum Spiel schreibt der “kicker”.

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14 Kommentare zu “Schalke kann nicht kämpfen”

  1. Carlitoam 28. November 2010 um 11:38 1

    Das Schalker Mannschaftsgebilde gleicht einem hochgezüchteten Turnierpferd, das mit traumwandlerischer Sicherheit durch jeden CHIO-Parcours fliegt. Spannt man ein solches Pferd jedoch vor einen Pflug, wünscht man sich schnell den alten, lahmenden Ackergaul wieder, der auch bei Wind und Wetter wacker das Terrain bewirtschaftet.

    Schönes Bild, besser kann man es nicht auf den Punkt bringen. Ich bin ob der gestern gezeigten “Leistung”, oder man besser Unleistung sagen, einfach nur noch sprachlos.

    Das es nicht so ein Feuerwerk wie gegen Bremen oder insbesondere Lyon werden würde, war vermutlich jedem vorher klar, dafür war es von vorne herein der falsche Gegner und der falsche Ort, aber sich so abschlachten zu lassen ist ehrlich gesagt eine bodenlose Frechheit…

  2. leeniam 28. November 2010 um 12:23 2

    Unser Trainager kann sich auch nicht aus der Verantwortung ziehen. Ich befürchte, er passt sich dem Niveau der Spieler langsam an. Es ist mir zumindest nicht erklärlich, warum Magath in der zweiten Halbzeit einen Jurado bringt, um das Spiel noch zu drehen, wo er doch gerade Jurado vorher eine ganze Woche lang die Reife für dieses Spiel abgesprochen hat. Was soll so jemand dann reißen? Dazu hatten wir just für die Position links außen einen Jendrisek auf der Bank, der den Betzenberg kennt und sich sicher zumindest angestrengt hätte, um ein gutes Bild abzugeben.

    Warum unser Trainager nach dem Spiel kein Mikrophon auslässt, um kund zu tun, Metzelder nehme er ausdrücklich von der Kritik aus, weil der sich wenigstens angestrengt hätte, ist mir nach Ansehen der Bilder des Spiels auch nicht klar. Meines Erachtens hatte Metze einen rabenschwarzen Tag. Die ersten beiden Tore gehen zu einem guten Teil auf sein Konto.

    Auf die angekündigten Konsequenzen dürfen wir gespannt sein. Viel Spielraum für Konsequenzen gibt es doch gar nicht. Es ist leider Fakt, dass wir im Moment eine Mannschaft haben, die nur sich nur bei Erfolg als Mannschaft zeigt. Wenn es mal nicht läuft, haben wir 11 Spieler, von denen 8 total verunsichert sind und 3 denken, es sei unter ihrer Würde, in solch einer Mannschaft zu spielen.

  3. Jörgam 28. November 2010 um 12:35 3

    Ich kann es nicht fassen was da abgeht.Wirklich schade für die Fans aber warum werde ich in meiner Stammkneipe blöde angemacht nur weil ich als geborener Dortmunder dem BVB näher stehe?
    Verstehe ich nicht.

  4. Henningam 28. November 2010 um 12:54 4

    Ich bin nicht sauer. Ich bin auch nicht traurig oder enttäuscht. In mir hat sich seit gestern eine Leere in Bezug auf Schalke breitgemacht, die ich nicht in Worte fassen kann.

    So geht es mir auch und vielen anderen, mit denen ich das Spiel gestern verfolgt habe. Da war keine Wut erkennbar, nur resignierte Hinnahme des Geschehens.

    Warum die Mannschaft kämpferische nicht mithalten kann, ist mir ein Rätsel. Es sind ja nicht alle neu oder Schönspieler! Und letzte Saison war Einsatz eine unserer Stärken…

  5. Carlitoam 28. November 2010 um 13:05 5

    @leeni:

    Wenn es mal nicht läuft, haben wir 11 Spieler, von denen 8 total verunsichert sind und 3 denken, es sei unter ihrer Würde, in solch einer Mannschaft zu spielen.

    Gut auf den Punkt gebracht, besser kann man es derzeit wohl leider kaum in Worte fassen…

  6. Christianam 28. November 2010 um 14:12 6

    oder der glaubt tatsächlich jemand, Magath habe die Mannschaft mit den Worten „Geht raus, verliert jeden Zweikampf, wer” braucht schon ein Mittelfeld, Passspiel wird überbewertet und nach Ecken hat Kaiserslautern noch nie ein Tor gemacht!“ auf das Feld geschickt? Nein, diese taktische Herangehensweise an das Spiel in Kaiserslautern hat das Team ganz alleine ausgeheckt und umgesetzt.

    Ich gebe Dir Recht nur meine Schlussfolgerung ist eine andere!
    Nein das was Du oben schreibst das hat Magath sicherlich nicht getan. Er hat auch vor dem Spiel ausdrücklich vor dem 1.FCK gewarnt. Aber…. offenbar hört ihm keiner mehr zu und er erreicht die Mannschaft nicht mehr. Und wenn ein solcher Status erreicht ist, dann wird es Zeit über Personen nachzudenken. Das letzte was eine Mannschaft im Abstiegskampf gebrauchen kann, ist ein verzweifelter um Autorität kämpfender Übungsleiter. Machen wir uns doch nichts vor, warum spielt diese Mannschaft in der CL so völlig anders?
    Weil sich einige Spieler bereits im Schaufenster CL für andere Vereine warm laufen. Nicht mehr und nicht weniger. Das ist auch die einzige Chance für unseren Schalke 04 die Ära Magath mit einem finanziell blauen Auge zu beenden. Und ich hoffe wir sind dann noch in der 1. Liga.

  7. holzboy2008am 28. November 2010 um 14:33 7

    Fast richtig ,aber Magath außen vor lassen kann es auch nicht sein.
    Er war es der von Kampf sprach und Jurado opferte und Edu brachte.Ein Mittelf. das in seinen Techn.mitteln so arm ist (außer Farfan) sucht in der Bundesl. seines gleichen.Unter Druck Produziert Abwehr u.Mittelf. so viele Fehlpässe das geht schon lange nicht mehr auf die gewisse K.haut.Läßt man ihnen Platz geht es.Hätte Bremen das erste Tor erzielt was durchaus möglich
    dann ………!.Die gute halbe Stunde tausche u. das Achtel Fin. tausche ich gegen 3 Punkte in der Bundesliga.Ich habe nähmlich verstanden,die Manschaft nichts.
    Jetzt will man das Spiel gegen Bayern auch noch im Stile einer Oper aufführen habe ich gelesen. Komödie wäre etwas besser
    über uns lacht eh schon die ganze Liga.Geht ja auch nicht zu lachen haben wir zur Zeit nicht viel.

    g…… auf,auf,auf!

  8. Marcel04am 28. November 2010 um 15:39 8

    Das Spiel gestern war sehr lustlos oder gar geschwächt von unserer Schalker Mannschaft ausgetragen.
    Aber die Ausrede “Doppel-Belastung durch CL” will ich nicht gelten lassen, diese Belastung muss man aushalten können, wenn man dort etwas reißen will.
    Und was die Bundesliga angeht… gabs schonmal einen Absteiger, der den Liga-Pokal oder den CL-Sieg mit in die 2. Liga seines Landes genommen hat?
    ;-)

  9. ProErnstam 28. November 2010 um 18:59 9

    Dies wollte ich schon nach dem Artikel
    “Die beleidigte Kampfsau” loswerden:

    Ich hätte an Magaths Stelle unseren JJ am letzten Samstag nicht auf die Tribüne geschickt sondern in gegen Bremen “kämpfen” lassen mit der Begründung:
    Wenn er jedes Jahr CL spielen will/muß, dann soll er sich dafür in der Liga den A… aufreißen.
    Am Mittwoch hätte ich ihn dann auf die Bank gesetzt, damit er weiss was das bedeutet.
    Danach hätte ich ihn am Samstag gegen Lautern wieder spielen lassen. Dann wäre seine Leistung wahrscheinlich auch nicht besser geworden.
    Warum muss ein Trainer eigenlich immer seine Leute, die die Regeln nicht einhalten, so hereinnehmen oder herausnehmen wie es die Medien erwarten mit der Begründung, dass seine Autorität gefährdet ist. Im Endeffekt schwächt er sich meistens dadurch nur selber, weil bei entsprechenden schlechten Ergebnissen er der erste ist, der gehen muss, während die Spieler weiter ihr Geld beim Verein verdienen, die den Verein durch ihr Auftreten am meisten schaden.

    Magath muss bleiben.

  10. KönigsblauMSam 28. November 2010 um 19:55 10

    Magath hat ziemlich fertig und holt sich in seinen Aussagen immer wieder selber ein. Der große Taktiker und Psychomotivator mit unglaublicher emotionaler Kraft sitzt in Lüdenscheid, weniger auf Schalke!

  11. leeniam 28. November 2010 um 21:44 11

    @KönigsblauMS
    Die letzte Saison hat Magath eine großartige Leistung abgeliefert. Und er ist ein Trainer mit viel Qualität. Auch wenn er vom Typ her anders ist, als die “jungen” wie Klopp und Tuchel.
    Gut, diese Saison hat er einen großen Fehler gemacht und ist ohne funktionierende Mannschaft in die Saison gegangen. Aber Fehler macht jeder mal. Die Ablösung von Magath kann überhaupt kein Thema sein finde ich.

  12. Carlitoam 29. November 2010 um 19:07 12

    Kann sich der Verein finanziell vermutlich eh nicht leisten, bei der Abfindung die dann für Magath und sein ganzes Team fällig würde…

  13. KönigsblauMSam 29. November 2010 um 21:32 13

    Tönnies ruft Magath zum Rapport. Die erste offizielle ! Krisensitzung mit dem Trainager. Felix muss sich erklären. Ein Trainer ist verantwortlich für die Aufstellung und vor allem für die Einstellung der Mannschaft auf dem Platz. Wenn Magath die Spieler seines Wunschkaders nicht mehr erreicht, hat er ein großes Problem. Da haben verbale Drohungen gegen die Spielergemeinschaft weder Perspektive noch Aussagekraft und wirken eher als Hilferuf – leider. Magath wird und muss seine Chance weiterhin erhalten. Wenn es ihm aber nicht bald gelingt, seine selbst auserwählten millionenschweren Spieler mannschaftlich und erfolgsorientiert einzunorden hat er sich wohl in vielerlei Hinsicht verzockt. Die Mannschaft muss jetzt vorbehaltlos zeigen, dass sie zu dem Trainer steht. Sonst ist irgendwann Schicht im Pott. Und merke: Tönnies ist ein knallharter, erfolgsorientierter Geschäftsmann. Abfindungen sind peanuts gegen jährliche Millionengehälter von Spielern auf Bank und Tribüne …

  14. Carlitoam 30. November 2010 um 21:37 14

    Ich denke auch spätestens gegen die Bayern MUSS die Mannschaft sich beweisen! Wenn nicht gegen Bayern nach solch einem Spiel, wann dann!??!

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