Brettljause statt Stadionwurst

29. Aug. 2011 | 2 Kommentare

Brettljause statt Stadionwurst

4:2 in Mainz, 6:1 gegen Helsinki, 1:0 gegen Mönchengladbach – die zweite Woche meines Urlaubs hätte kaum besser verlaufen können. Dazu täglich weit über 30 Grad in Kärnten, schöne Touren auf die Berge, Brettljausen auf der Alm, Pizza in Italien, Fahrten nach Slowenien oder an den Badesee um die Ecke, jede Menge Freunde im Schlepptau – das erklärt meine Schreibunlust der vergangenen Tage, obwohl Schalke ein paar bemerkenswerte Spiele hingelegt hat. Das gestrige Spiel gegen Mönchengladbach konnte ich dank „SkyGo“ im Livestream verfolgen, jedoch in verbesserungswürdiger Bildqualität, die den lahmen Internetleitungen im ländlichen Kärnten geschuldet ist.

Das, was ich sah, wusste auch trotz Klötzchenbildung und Pixelfehlern zu gefallen. Schalke agierte zum ersten Mal seit Monaten wieder sehr sicher in der Abwehr, ließ im „Spiel gegen den Ball“ so gut wie nichts zu. Dass es diesmal nicht zu drei, vier oder fünf selbst erzielten Toren reichte, war eine Folge dieses konzentrierteren Defensivspiels, vor allem aber ein Resultat der Gladbacher Abwehrstärke. Mit Mann und Maus verteidigte die Borussia in den Schalker Drangphasen zu Beginn der ersten und zweiten Halbzeit ihr Tor. Immer wieder schaffte es die vielbeinige Abwehr, einen Körperteil in die Schalker Angriffsversuche zu werfen. Und wenn doch mal etwas durchkam, agierte Gladbachs junger Keeper ter Stegen so sicher, wie man ihn im letzten halben Jahr kennengelernt hat.

Der Schalker Sieg – Raúl traf nach 65 Minuten im dritten Anlauf gegen einen zweimal glänzend parierenden Gästekeeper – geht in Ordnung. Schalke war in einer guten Partie das aktivere und letztlich bessere Team. Insbesondere im Spiel über die Flügel wusste Königsblau zu gefallen. Überraschenderweise bot Trainer Ralf Rangnick auf der rechten Seite erstmals in dieser Saison in der Liga von Beginn an Uchida und Farfán auf – und prompt funktionierte es wieder. Im direkten Zusammenspiel haben der Japaner und der Peruaner den Vorteil einer einjährigen Einspielzeit. Marco Höger hatte in Abwesenheit Farfáns Uchida zur recht als Einzelkämpfer verdrängt. Als Teamspieler mit Farfán macht jedoch Uchida die bessere Figur. Das gesamte Spiel über rechts wirkt mit den beiden gefälliger, schneller und ist gefährlicher.

Was Uchida und Farfán auf rechts sind, könnten Fuchs und Draxler bald auf links werden. Auch hier merkt man, dass sich beide mehr und mehr aufeinander einstellen. Wie Farfán und Uchida haben Fuchs und Draxler das Ziel, den Ball über die Grundlinie nach innen zu ziehen, um dort die lauernden Huntelaar und Raúl zu füttern. Es ist kein Zufall, dass Schalke in diesem kurzen Ligajahr bereits zehnmal traf. Es entwickeln sich vielmehr allmählich Automatismen, die jedem Gegner das Leben schwer machen können.

Schalke geht in die Länderspielpause mit neun Punkten als Tabellenzweiter. Die ärgerliche Auftaktniederlage in Stuttgart wurde durch drei Ligasiege in Folge prompt ausgebügelt. Diejenigen, die Schalke nach der Auftaktpleite und dem peinlichen 0:2 in Helsinki in einer Krise sehen wollten, müssen sich neue Opfer suchen. Ich freue mich auf die Wiederaufnahme des Spielbetriebs am 11. September in Wolfsburg. Nicht weil ich so vermessen wäre, von der jungen Mannschaft nun einen Sieg nach dem anderen einzufordern, sondern weil es Spaß macht, diesem Team bei der weiteren Entwicklung zuzuschauen.

In diesem Sinne ein letzter Gruß aus dem immer noch sonnigen Kärnten. In wenigen Minuten geht’s zurück ins verregnete Münsterland. Mit dem Wissen, dass Schalke auf einem guten Weg ist, lässt sich das gleich viel besser ertragen.

Mehr zum gestrigen Spiel im „kicker“.

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2 Kommentare zu “Brettljause statt Stadionwurst”

  1. Henningam 29. August 2011 um 20:11 1

    Ich habe Uchi zwar solide gesehen, aber im Zusammenspiel mit Farfan nicht besser als Höger. Was daran liegen mag, dass Schalke defensiver auftrat und auch Farfan nicht so sehr auftrumpfte wie in den 3 Halbzeiten zuvor.

    Mit Fuchs hingegen habe ich noch einige Probleme. Er steht mir zu oft zu weit vom Gegenspieler entfernt bzw. einfach insgesamt zu hoch. Und seine Flanken schlägt er überwiegend aus dem Halbfeld statt von der Grundlinie. Daher auch noch kein Assist, da die nicht wirklich gut kommen bisher.

    Aber das ist Jammern auch recht hohem Niveau…

  2. Carlito69am 29. August 2011 um 22:14 2

    Eben, auf hohem Niveau. ;-)

    Und es scheint sich auf jeden Fall was zu entwickeln. Und die junge Truppe hat auch noch verdammt viel Potenzial. Das lässt mich freudig in die Zukunft blicken…

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