Die kleine Geschichte vom vergessenen Europapokal

14. Mrz. 2012 | 2 Kommentare

Borac Banja Luka ist bosnisch-herzegowinischer Pokalsieger des Jahres 2010. Vor allem aber ist Borac Banja Luka der letzte Sieger des ersten großen länderübergreifenden Pokalwettbewerbes auf dem europäischen Festland. Diesen nominell größten Erfolg der Vereinsgeschichte feierten die „Kämpfer“ vor fast exakt 20 Jahren. Seitdem darf man sich letzter Mitropa-Pokal-Sieger nennen, denn danach wurde der 1927 eingeführte Wettbewerb nie wieder ausgespielt. Wer jetzt glaubt, der Mitropa-Pokal sei eine bessere Juxveranstaltung gewesen – ähnlich bedeutend wie der deutsche „Fuji-Cup“ oder das „DFB-Hallenmasters“ – könnte falscher kaum liegen und denkt insgeheim wohl an Kaffeemaschinen.

In der Tat war der Mitropa-Pokal (die Abkürzung steht für Mitteleuropa) ein sehr ernst zu nehmender Wettbewerb, der als direkter Vorläufer sämtlicher Europapokalwettbewerbe angesehen werden muss. In Deutschland ist der Cup jedoch gänzlich unbekannt, was vor allem daran liegt, dass nie eine deutsche Mannschaft an ihm teilnahm. Anfänglich, weil der Rest Europas viel zu professionell strukturiert für den deutschen Fußball war. Später, weil die UEFA als Ausrichter dem Mitropa-Cup durch andere Wettbewerbe wie dem Landesmeisterpokal das Wasser abgrub.

Informationen zum Mitropa-Cup sind im Internet spärlich gesät. Die Wikipedia widmet dem fast vergessenen Wettbewerb jedoch gleich in mehreren Sprachen ausführliche Artikel. In diesen liest man staunend, dass die Endspiele in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts vor mehr als 100.000 Zuschauern ausgetragen wurden und regelmäßig zu diplomatischen Verwicklungen führten. Man erfährt, wie es der Wettbewerb von der Idee eines österreichischen Funktionärs zu einer Veranstaltung schaffte, die die höchsten Weihen der FIFA und UEFA genoss. Und man lernt, dass der in seinen finalen Jahren zum Einladungsturnier verkommene Wettbewerb hauptsächlich chronisch erfolglosen italienischen Clubs dazu diente, wenigstens einen Titel in den Briefkopf und eine Trophäe in den Schrank zu bekommen.

Dass US Foggia – als Ausrichter des letzten Mitropacups – mit diesem Manöver scheiterte und zusehen musste, wie Borac Banja Luka den Pokal aus dem eigenen Stadion entführte, macht mir den Mitropa-Pokal sehr sympathisch. Mit seinem letzten Atemzug zeigte der Cup, dass Erfolg im Fußball nicht immer planbar ist. Der liebe Fußballgott habe ihn deshalb selig.

Mehr zur Ur-Mutter aller Europapokale gibt es auf wikipedia.de. Das oben gezeigte Bild ist ein schwammiger Youtube-Screenshot vom Finale des Mitropa-Cups 1990 zwischen Bari und Genua. Bari gewann mit 1:0. Nur einen Monat nach den im Video gezeigten Jubelbildern startete in Italien eine Fußball-WM die, anders als der Mitropa-Cup, in Deutschland unvergessen ist.

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2 Kommentare zu “Die kleine Geschichte vom vergessenen Europapokal”

  1. Johannesam 14. März 2012 um 09:31 1

    Schöne Geschichte, Danke dafür! Mitropa-Pokal – war mir unbekannt.

  2. Carlito69am 17. März 2012 um 21:00 2

    Was es nicht alles gibt/gab! Klasse Geschichte! :-)

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