Nicht toll aber trotzdem gut

22. Dez. 2010 | 6 Kommentare

DFB-Pokal - Bildquelle: wikipedia.orgDer Pokal hat seine eigenen Gesetze. Zu diesen gehört, dass der Favorit manchmal beim Underdog stolpert. Soweit, so gut. Zu den Gesetzen des Pokals gehört aber auch, dass vor jedem Spiel ein Favorit gekürt wird, der gefälligst zu stolpern hat. Tut er es nicht, dann müssen seichte Anzeichen des Stolperns genügen. So wie gestern. Wer bei Schalke gegen Augsburg einen „Pokalfight“ gesehen haben will, bei dem der Favorit in einer hitzigen Partie mit einem Bein im Aus stand, der muss schon jede Menge Fantasie und Sensationslust mitbringen. Ich habe ein Fußballspiel gesehen, das auf einem Kartoffelacker stattgefunden und beim Stand von 0:0 begonnen hat. 90 Minuten später gewann die Mannschaft mit 1:0, die letztendlich mehr für „das Spiel“ getan hat. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Irregulärer Boden hin oder her – es war gut, dass die Partie gestern stattfinden konnte. Eine Verschiebung ins Frühjahr hätte weder Schalkes derzeitigem Lauf noch dem engen Terminplan in der Rückrunde gut getan. Doch natürlich hatte der seifige, mit zunehmender Dauer immer mehr aufgewühlte Untergrund seinen Anteil am Spielverlauf. Augsburg stellte sich darauf besser ein und suchte die klareren Aktionen: Langer Ball, steile Grätsche und „gesunde“ Härte bestimmten auf Gastgeberseite die erste Halbzeit. Schalke machte den Fehler, es zu spielerisch zu probieren. Immer wieder suchte insbesondere Jurado im Mittelfeld einen Kurzpasspartner, fand jedoch nur einen Maulwurfhaufen. Augsburg fahndete nach einer Chance, ohne wirklich etwas dafür zu tun. Folgerichtig endete die erste Halbzeit ohne eine einzige Torchance.

Torchancen gab es dann in der zweiten Halbzeit: eine sehr Gute für Augsburg (Werner, 65. Minute) und eine passable (Thurk, 82.) – beide Chancen entstanden aus Kontern bzw. Schalker Ballverlusten im Aufbauspiel. Ansonsten aber bestimmten nun ausschließlich die Königsblauen das Spiel weil sie ihre individuelle Klasse in die Waagschale warfen. Spielerische Elemente blieben Mangelware, aber Schalke hatte sich endlich auf Boden und Gegner eingestellt. Zwangsläufig ergaben sich Chancen. Die Beste vergab Rakitic in der 78. Minute, als es nach einer Kombination über Farfán und Raúl tatsächlich so etwas Ähnliches wie Fußballkunst zu bestaunen gab. Kurz darauf zahlte sich Schalkes geschickteres Spiel dann aus: Raúl erhält an der Strafraumgrenze den Ball, behauptet ihn, zieht die halbe Augsburger Abwehr auf sich und legt dann quer zum frei stehenden Jefferson Farfán. Der schließt aus 12 Metern zum 1:0 ab. Ein Tor, zu 80 Prozent erkämpft und zu 20 Prozent erspielt – dennoch war es einer der feineren Spielzüge des Abends. Und damit ist eigentlich schon alles gesagt.

Ich bin weit davon entfernt, das Schalker Spiel schön zu reden. Jedoch habe ich schon so manchen Pokalfight gesehen, bei dem ein Favorit weiterkam und deutlich schlechter aussah. Gestern gab es für ein Stolpern kaum Anzeichen, sieht man einmal davon ab, dass das Spiel mit 0:0 begann und diesen Spielstand bis zum ersten Tor beibehielt.

Die Mannschaft hat die Pflichtaufgabe – die angesichts der Heimstärke des Zweitliga-Spitzenreiters niemals eine war  – gut gelöst. Und damit muss es auch gut sein. Mehr schreibt der „kicker“.

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6 Kommentare zu “Nicht toll aber trotzdem gut”

  1. Jochenam 22. Dezember 2010 um 10:06 1

    Matthias,
    besser kann man das Pokalspiel fast gar nicht beschreiben. Diesen Eindruck habe ich sowieso bei 9 von 10 Deiner Beiträge (solch eine Quote erreicht selbst Philipp Selldorf nicht, der SZ-Sportredakteur mit königsblauem Blut). Deshalb will ich mich bei dieser Gelegenheit bedanken für regelmäßiges Lesevergnügen, das immer auch ein bisschen schlauer macht. Ich wünsche allen tolle Feiertage und eine gigantische Rückrunde!

  2. Henningam 22. Dezember 2010 um 10:16 2

    Ja, guter Kommentar. Den “Pokalfight” wollte Thurn und Taxis über die gesamte Spielzeit herbeireden, er braucht halt immer Pathos. Ganz egal, wer spielt und wie, für ihn muss es ein “David gegen Goliath” werden. Wobei der Tabellenführer der 2.Liga, auch letztes jahr erst in der Relegation zur Bundesliga gescheitert, als David nicht wirklich taugt. So war dann auch Schalke weniger schwach, als TuT es wahr haben wollte (“Totalausfall”), und kaum “am Rande einer Niederlage”.

  3. Matthiasam 22. Dezember 2010 um 10:40 3

    Thurn und Taxis unterliegt eben auch nur den üblichen Kommentator-Gepflogenheiten. Ich nehme es ihm nicht übel. Überhaupt gehört er zu den Kommentatoren, die ich überdurchschnittlich gerne höre und wenn’s nur wegen seines gerollten “RRRR’s” ist. Gestern schilderte er in einer Szene eine Ballstafette über “MetzeldeRRR, RRRakitic, JuRRRado, RRRaúl und HuntelaaRRR”. Dass bei diesem Spielzug zwischenzeitlich auch Uchida, Höwedes und Schmitz am Ball waren, unterschlug er. Wahrscheinlich weil in deren Namen kein “RRRR” vorkommt.

  4. matthiaßam 22. Dezember 2010 um 10:42 4

    Wahrscheinlich hat TuT (sehr fein Henning!) sich seine Sensation selber versaut, als er schon vor dem Schuß von Thurk so laut den Ball in das Tor schreien wollte, damit aber lediglich bewirkte, dass Neuer aus einem eventuellen Winterschlaf entrissen wurde.
    Da haben wir Schalker aber mal so richtig Glück gehabt, was?
    Das alles Ende 2010 dann noch so gut aussieht, hätten wir doch vor zwei Monaten nicht gedacht.
    GLÜCK AUF und Danke Matthias, hier ist es immer sehr gemütlich…

  5. Tillam 22. Dezember 2010 um 10:59 5

    Danke für Deinen Bericht! Es ist sehr angenehm, über das Spiel zu lesen, so wie ich es auch gesehen habe. Und letztlich passt es auch beim kicker: “Schalker erzwingen Sieg.”

  6. holzboy2008am 22. Dezember 2010 um 17:35 6

    Kommentar wie immer mehr als gut ,Spiel gar nicht gut ,Schiri so gut wie das Spiel ,Kommentator Sky T,u,T eifach nur Sensationsgeil und wie die meisten des Senders grausam!.Leider zu weit weg von GE ,sonst könnte mich dieser Sender mal.
    Wünsche uns allen ein ein FROHES WEIHNACHTEN u gutes Jahr 2011 mit allem was für einen Schalker so dazu gehört!.

    GLÜCK AUF !

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