Stell’ dir vor, du bist nicht Julian Draxler

28. Jan. 2011 | 6 Kommentare

Stell‘ dir vor, du bist ein junges Offensivtalent. Du bist schon eine kleine Ewigkeit im Verein und träumst davon, endlich vom Trainer berücksichtigt zu werden. Doch ausgerechnet auf deiner Position spielt ein Star, der erst vor der Saison für 10+X Millionen Euro geholt wurde und an dem du nach menschlichem Ermessen nicht vorbeikommen kannst. Urplötzlich ist es dann doch soweit. Dein mannschaftsinterner Konkurrent ist außer Form, darüber hinaus auch noch angeschlagen, du bekommst deine Chance, du spielst, du machst deine erste Bude! Das Stadion jubelt dir zu. In jedem anderen Verein, in jeder anderen Situation, wärst du jetzt das Gesprächsthema Nummer 1. Doch zwei Tage später geht es bei der Pressekonferenz vor dem nächsten Spiel nur um einen Mitspieler und dessen Entscheidung zum Schulabbruch. Herzlich willkommen in der Welt des schweizerischen U21-Nationalspielers Mario Gavranović.

Zwei Tage lang war Schalke im Draxler-Fieber. Das sehr gediegene Startelf-Debüt von Mario Gavranović ging in dieser euphorisierten Massenhysterie unter. In der gestrigen Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Hoffenheim (Dauer ca. 21 Minuten) geht es knapp 10 Minuten lang ausschließlich um Julian Draxler, den Siegtorschützen. Zu Mario Gavranović, dessen 1:1 völlig desolate Schalker überhaupt erst zurück in die Partie gegen Nürnberg brachte, gab es lediglich eine höfliche Nachfrage: Ob er mit der Leistung des Stürmers zufrieden sei, wurde Felix Magath gefragt. Der Trainager bejahte es.

Mario Gavranović ist seit einem Jahr auf Schalke. Er gehört zu den vielen Perspektivspielern, die Magath im Winter 2010 für kleines bis mittleres Geld holte und zum Teil längst wieder aussortiert hat. Auch Gavranović zählte bis Mittwoch zu dieser Kategorie von Spielern, konnte in dieser Saison nur sechs Bundesligaminuten bei zwei Kurzeinsätzen sammeln. Doch jetzt erhielt er angesichts der Verletzung von Huntelaar eine Chance – und nutzte sie.

Ob er am Samstag gegen die TSG weitere Profikader-Spielminuten sammeln wird, hängt maßgeblich davon ab, ob Huntelaar noch einmal pausieren muss. Ich kann es mit Nichts belegen und müsste lügen, wenn ich behauptete, dass ich mehr über Gavranović weiß, als das, was man sich zusammengooglen kann – aber ich habe bei dem Jungen ein merkwürdig gutes Gefühl.

Es ist nur ein Gefühl. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Abgelegt unter Schalke

6 Kommentare zu “Stell’ dir vor, du bist nicht Julian Draxler”

  1. Uweam 28. Januar 2011 um 09:56 1

    Sehr gut aufbereitet das Thema. Ichgebe zu, dass ich bei den ersten Sätzen auch an Draxler gedacht habe….

    Aber den Einsatz von Gavranovic habe ich mir im Vorfeld gewünscht und bin echt froh, dass Magath diesmal nicht so rumgeeiert sondern konsequent Stürmer für Stürmer gebracht hat!

    Gavranovic hat ja in der Vorbereitung mehr als überzeugt und mächtig geknipst. Klar hat das meist wenig zu sagen und man weiß nie so richtig, wie das dann in der Saison läuft. Der Junge hat aber nun bewiesen, dass er durchaus eine Alternative für ein paar mehr Einsatzminuten als bisher sein kann – gerade wenn der Hunter wie in den letzten Spielen schwächelt. Aber auch der macht seine Budne wieder. Ganz sicher!

  2. Schakyxam 28. Januar 2011 um 10:52 2

    Sehr gut geschrieben!
    Muss selbst zugeben, das auch ich nach dem Spiel in eine Draxlermania verfallen bin!
    Das Startelfdebut von Gavranovic ist dabei total untergegangen, und das obwohl er exzellent gespielt hat! Ich hoffe er liest deinen Beitrag, damit er weiss, das seine Leistung auch von den Fans honoriert wird!

  3. Henningam 28. Januar 2011 um 11:23 3

    Schöner Artikel, hab auch erst an Gavranovic gedacht, als der Name fiel…zur “dritten Reihe” auf Schalke auch der Westen: [Link]

  4. schalkervollundganzam 28. Januar 2011 um 12:17 4

    Annan wechselt nach Schalke [Link]

    schneller Ersatz?

  5. leeniam 28. Januar 2011 um 14:00 5

    Fand schon direkt nach dem Spiel, dass Mario in den Einzelkritiken diverser Blätter und Onlinemedien viel zu schlecht wegkam. Fand es imponierend, wie er sich (mit 1.75 ja nicht gerade groß) auch im Kopfball durchsetzen konnte.
    Die Suche nach einen neuen (weiteren) Stürmer deutet aber nicht darauf hin, dass ihm der Tainiager übermäßig viel zutraut (und Edu wohl auch nicht).

  6. Henningam 28. Januar 2011 um 15:53 6

    Das kann man so nicht sagen. Gavranovic ist ein kleiner, spielstarker Stürmer. Magath sucht einen Kopfball Stoßstürmer, wie wir ihn derzeit gar nicht im Kader haben! 15 Ecken ohne Torgefahr gegen Nürnberg haben auch mal wieder gezeigt, dass es da mächtig hapert!

Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben