Ein Schalker Interseppo

23. Sep. 2011 | Ein Kommentar

Zwei Mal traf der FC Schalke in der letzten Saison auf den SC Freiburg. Zwei Mal verließen die Königsblauen als Sieger den Platz. Kein Mal davon saß Ralf Rangnick auf der Bank – es war vor seiner Zeit. Morgen sitzt Rangnick bekanntlich ebenfalls nicht auf der Bank, dafür Josef „Seppo“ Eichkorn, der die Position des Alleinverantwortlichen bereits einmal eingenommen hat: am 20. März 2011 bei der blutleeren 0:2-Pleite in Leverkusen. Am Tag darauf begann Ralf Rangnicks zweite Amtszeit auf Schalke. Gestern endete sie. Morgen kommt Freiburg.

Der Cheftrainer Josef Eichkorn soll keine dauerhafte Lösung sein. Seppo soll ein Intermezzo bleiben – ein Interseppo, sozusagen. Noch bevor die Journalisten gestern nachfragen konnten, stellten Horst Heldt und Clemens Tönnies unabhängig voneinander klar, dass sie auf jeden Fall einen neuen Trainer suchen, sich dabei aber zeitlich nicht unter Druck setzen lassen werden. Dabei müssten beide wissen, dass dieser Druck eher früher als später kommt. Entweder Schalke gewinnt mit Eichkorn und stellt den Anschluss zu den oberen Tabellenplätzen her – dann werden die Rufe nach einem regulären Trainervertrag binnen kürzester Zeit sehr laut werden. Oder Schalke verliert mit Eichkorn und rutscht in der Tabelle in Regionen ab, die man in diesem Jahr meiden wollte – dann bestimmt nicht mehr die Akribie, sondern der Punktestand das Tempo der Trainersuche. Eine Liga, die seit Jahren praktisch kein gesichertes Mittelfeld mehr kennt, in der der Erste der erweiterten Abstiegszone schon wieder realistisch mit einem Auge auf einen Richtung Europa-League-Platz schielen kann und Mannschaften in den Abstiegsstrudel geraten, die sich noch am 26. Spieltag als „definitiv gerettet“ feiern ließen, erlaubt keine Übergangslösung, die länger als zwei, drei oder vier Spieltage währt. Kurzum: An den Interimstrainer Seppo Eichkorn, der Schalke bis in die Winterpause führen wird, glaube ich nicht.

Man kann nur darüber spekulieren, wie die Mannschaft die gestrige Nachricht aufgenommen hat und ob sie eine positive Trotzreaktion zeigen wird. Eigentlich müsste sie das, allein schon aus Eigeninteresse. Denn in den nächsten Spielen gegen Freiburg, Haifa und Hamburg wird der Kader noch eindeutig die Handschrift von Ralf Rangnick tragen. Es sind die Bewerbungsspiele für einen neuen Trainer, von dem niemand wissen kann, auf welche Akteure er setzen wird. Doch wer spielt und dabei vor den Augen der Öffentlichkeit Leistung zeigt, hat einen Vorsprung gegenüber dem, der der sich nicht präsentieren kann.

Eigentlich ist das ganz logisch. Eigentlich müssten die Spieler das wissen. Doch was heißt in diesen Tagen schon „eigentlich“?

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Foto: Der Hans04

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Ein Kommentar zu “Ein Schalker Interseppo”

  1. Felixam 23. September 2011 um 07:49 1

    Ganz ehrlich. Ich sehe zur Zeit keine geeignete Alternative zu RR. Es fälllt mir niemand ein der ein ähnliches Konzept fährt und gleichzeitig für Schalke bereit stehen würde! Jedes neue Konzept würde gleichzeitig einen Reset bzw einen Neustart für das Team bedeutet. In meinen Augen ist das unbedingt zu vermeiden. Wir hatten endlich etwas Ruhe und Kontinuität auf Schalke. Der Trainer hatte Rückendeckung (sowohl von der Führungsrige als auch von den Fans) und konnte langfristig orientiert arbeiten. Ich hatte das Gefühl, dass dies seit langem mal wieder über ein paar Jahre gut gehen kann. Die jetzigen Umstände kann man leider nicht ändern. Die beste Lösung wäre jedoch in meinen Augen, den Co’s eine Chance zu geben. Sie kennen teilweise aus langjähriger Zusammenarbeit mit RR seine Philospohie und können diese denk ich am besten fortführen. Vorasusetzung hier für ist der Rückhalt der Fans auch in schlechten Zeiten. Man sollte nicht bei kurzweiligem Miserfolg nach einer neuen Lösung schreien. Bei einem neuen Trainer besteht in meinen Augen die Gefahr, dass nach einer etwaigen kurzzeitigen Erfolgsserie sich dieser wieder einstellt und der Klub in den normalen Abwärststrudel gerät. Das heißt Trainer raus, ein neuer kommt, es geht wieder ein paar Monate gut und dann läuft es wieder nihct. Bei RR hatte man das Gefühl, dass sich seit langer Zeit mal wieder ein erfolgshungriges Team entwickelt mit guten offensiven Ansätzen. Die Konstanz hat vllt noch etwas gefehlt, doch ich denke, das solche positiven Entwicklungen nur mit einer langfristigen ausgerichtet Philosophie umsetzbar sind. Hierfür benötigen wir einen Trainer, der starken Rückhalt genießt. Das hatten wir auf Schalke schon Jahre nicht mehr. Deswegen stellt sich die Suche so äußert schwer dar.

    Glück auf

    Felix

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