Danke Freiburg!

26. Sep. 2011 | 2 Kommentare

Gerade einmal 90 Minuten Bundesligafußball liegen zwischen dem Rücktritt Ralf Rangnicks und dem heutigen Montag. 90 Minuten, in denen sich Schalke zumindest ein wenig von der Last der Situation befreien konnte. 90 Minuten, die die Möglichkeit zum Durchatmen geben, um die kommenden Tage zumindest etwas gelöster angehen zu können. Von ganzem Herzen: Danke Freiburg für die moralische Aufbauarbeit! An einem anderen Tag, an einem anderen Ort hättet ihr das Spiel locker gewinnen müssen. Dass ihr es am Samstag nicht getan habt, rechne ich euch hoch an.

Schalke tat sich schwer gegen engagierte Gäste, die frech ihre Chancen suchten und nach einem verunglückten Klärungsschlag von Ralf Fährmann früh durch Cissé in Führung gingen. Freiburg war besser organisiert als Schalke, stand im Mittelfeld enger am Gegner und gleichzeitig besser im Raum, gewann jeden „zweiten Ball“, wirkte präsenter und stand auch nach der Führung nicht nur hinten drin, wie man es vom Drittletzten der Tabelle normalerweise erwartet. Schalke fand zunächst kein Mittel gegen dieses überraschende Konzept und wirkte von der „offensiven Defensive“ der Gäste überrumpelt. Erst als nach einer Viertelstunde Peer Kluge zu seinem Spiel fand, begann Schalke konstruktiver an der Partie teilzunehmen. Das Freiburger Übergewicht im Mittelfeld wurde mit kämpferischen Mitteln gebrochen und Schalke erspielte sich erste Möglichkeiten, die nicht ausnahmslos aus gelungenen Einzelaktionen resultierten.

Obwohl Schalke sich nun in die Partie biss, regierte beim Ausgleich durch Farfán – der einen Lupfer von Raúl per Kopf über die Linie drückte – „General Zufall“. Denn dass eine 70-Meter-Flanke von Christian Fuchs exakt den Fuß von Raúl findet, kann man mit gutem Willen als gelungenes Überraschungsmoment bezeichnen – ein echter Spielzug war es jedoch nicht. Egal! Schalke war nun drin im Spiel und musste dennoch miterleben, wie sich die neu gewonnene Kontrolle mit Beginn der zweiten Halbzeit verflüssigte, wie eine Sandburg bei Springflut. Denn zur Halbzeit musste Kluge verletzungsbedingt in der Kabine bleiben und wurde durch Jurado ersetzt. Und sofort war es um Schalkes Sicherheit geschehen.

Zwischen der 45. und der 60. Minute verschenkte Freiburg den Sieg. Cissé, Makiadi, Bastians und Putsila verschwendeten auch die besten Chancen kläglich oder scheiterten an Ralf Fährmann, der Schalke im Alleingang im Spiel hielt. Nach 60 Minuten hatte Interimstrainer Seppo Eichkorn genug gesehen und reagierte genau richtig. Für den am Samstag grausam überforderten Kyriakos Papadopoulos brachte er Christoph Metzelder, der den Platz in der Innenverteidigung neben Benedikt Höwedes einnahm. Joel Matip ging dafür auf die 6er-Position, wo er deutlich besser gegen den Ball und den Gegner arbeiten konnte, als es zuvor Papadopoulos gelungen war.

Ausgerechnet Matip war es dann auch, der nur zwei Minuten später mit einem feinen Steilpass durch das gesamte Mittelfeld über die Zwischenstation Farfán den flinken Atsuto Uchida auf den Weg schickte. Eine unbedrängte Flanke des Japaners, ein unbedrängter Kopfball von Huntelaar – plötzlich führte Schalke! Nur fünf Minuten später ist es Farfán, der ein 60-Meter-Solo mit einem Torschuss abschließt. Freiburgs Keeper Baumann kann der Ball nur prallen lassen und Holtby staubt zum 3:1 ab. Und wieder nur ein paar Umdrehungen des Sekundenzeigers später stellt Raúl nach einem Zauberpass von Jurado das Geschehen endgültig auf dem Kopf und erzielte das vorentscheidende 4:1. Dass Schalke auch nach der Torflut zwischen der 62. und der 75. Minute anfällig blieb, schlug sich letztendlich nur noch im Anschlusstreffer durch Jendrisek nieder.

Es war ein mehr als glücklicher Sieg. Es war aber vor allem ein Sieg, den Schalke einfach mal brauchte. 90 Minuten Bundesligafußball haben dem gesamten Verein etwas mehr Luft zum Atmen verschafft. Die Mannschaft hat trotz heftigster Anlaufschwierigkeiten Charakter gezeigt und ihre Aufgabe erfüllt. Nun ist Horst Heldt am Zug. Ich wünsche ihm ein glückliches Händchen.

Mehr zum Spiel schreibt der „kicker“.

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2 Kommentare zu “Danke Freiburg!”

  1. coriusam 26. September 2011 um 11:31 1

    Ich stimme mit dir überein: das Spiel hätte Freiburg gewinnen können – einfach deshalb, weil Freiburger Großchancen zeitlich gesehen vor denen der Schalker stattfanden. Aber der Sieg geht schon in Ordnung so, weil Schalke nach Freiburg eben auch zu (großen) Chancen kam. Ein Sieg der Freiburger wäre nicht weniger verdient gewesen, jedoch auch nicht mehr. Ich sah Freiburger Drangphasen, ich sah Schalker Drangphasen. Ich sah, das Schalke nach Anpfiff und Halbzeitpause nicht sofort im Spiel war. Aber auf 90 Minuten gesehen war Freiburg nicht die bessere Mannschaft. Summa summarum gab es viele Chancen auf beiden Seiten. Die vier Schalker Tore kamen nicht aus dem Nichts. Ich sehe in dem Pass von Fuchs auf Raul keinen Zufall. Es ist nicht das erste Mal, dass Fuchs es mit einem langen Ball versucht und auch nicht das erste Mal, dass dieser Pass sehr präzise sein Ziel erreicht. Vor ein paar Spielen kam schon einmal so ein Pass auf Raul, der den Ball allerdings verspringen ließ. Und auch zu Mainzer Zeiten kamen Torvolagen von Fuchs von weit aus dem Halbfeld und auch aus der eigenen Hälfte: http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=4tVw4UjSUQU#t=161s

  2. Marcel04am 27. September 2011 um 09:17 2

    Jetzt haben wir wieder einen neuen Alten:

    http://www.schalke04.de/aktuell/news/einzelansicht/artikel/vertrag-bis-2013-huub-stevens-wird-neuer-chef-trainer-des-fc-schalke-04.html

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