Zlatan Ibrahimovic, auf ein Wort

15. Nov. 2012 | 3 Kommentare

Lionel Messi, der perfekte Schwiegersohn. Christiano Ronaldo, bei dem die Schwiegermutter hektisch den Sitz ihres Dekolletés kontrolliert. Und Zlatan Ibrahimovic, der vom entsetzten Nur-über-meine-Leiche-Schwiegervater mit dem Gartenschlauch vom Hof gespritzt wird.

Ich bin kein Freund von fußballerischer Heldenverehrung. Ich schaue zu oft spanischen Fußball live, als dass ich die Kniefälle vor den Stars auf der iberischen Halbinsel nachvollziehen könnte. Diego Forlán war in seiner Zeit bei Atlético Madrid ein guter Fußballer, aber auch keiner, bei dem man kreischend vor dem Hotelfenster stehen muss. Messi kann einiges am Ball, nimmt sich in der Liga aber auch seine Auszeiten und beginnt nicht nur mich mit dem x-ten Haken am Mittelkreis und der dreiundrölfzigsten Doppelpass innerhalb von zwei Minuten zu langweilen. Und Christiano Ronaldos Spiel ist in meinem Empfinden einfach nur langweilig.


Bei Zlatan Ibrahimovic ist das nicht anders. Auch ihm gelingt nicht immer alles auf dem Feld. Ich sah schon zu viele Spiele von ihm, in denen er wie ein Gockel über den Platz hoppelte ohne auch nur einmal etwas Konstruktives beizutragen. Hinzu kommt seine latente Vollproll-Attitüde. Irgendetwas zwischen Zuhälter, Büdchenstammgast und Kirmesboxer. Seine Marotte, von sich selbst in der dritten Person zu sprechen. Seine Überheblichkeit, mit der er Mit- und Gegenspieler verbal runterputzt. Seine unverständlichen Aussetzer auf dem Feld und in Interviews. Und obendrauf dieser lächerliche Dutt. Ich bin keine Frau, aber ich denke, als Sexsymbol taugt Zlatan Ibrahimovic nur bei einem sehr begrenzten Klientel.

Und dann dieser Hype, der immer um ihn gemacht wurde. Alexandra Neldels Serienego gleich zieht er durch Europa, immer dorthin, wo gerade der größte Fleischtopf wartete. Immer riss er das Maul ganz weit auf, immer zeigte er auch mal gute Spiele, doch viel zu oft blieb nach seinen Abgängen – ganz gleich ob aus Amsterdam, Turin, Mailand (die einen), Barcelona und nochmal Mailand (die anderen) – ein Verein zurück, in dessen Umfeld sich viele fragten: „Hö? Was war das denn jetzt für’n Vogel?“

Nein, ich bin kein Freund von Heldenverehrung und ich werde jetzt auch nicht damit anfangen. Aber ich muss zugeben, dass ich gestern mit offenem Mund staunend vor dem Fernseher saß, als Ibrahimovic nach seinen drei „normalen“ Toren gegen England noch ein viertes obendrauf setzte, das irgendwo zwischen arrogant, strunzdumm oder genial eingeordnet werden muss. Auf jeden Fall war es ein Tor, das man nicht alle Tage sieht und an dem man sich kaum satt sehen kann.

Zlatan 1, Matthias 0. Gestern hat er es mir mal so richtig gezeigt. Mehr davon!

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Foto: football.ua via Wikipedia

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3 Kommentare zu “Zlatan Ibrahimovic, auf ein Wort”

  1. gerdam 15. November 2012 um 12:58 1

    Danke Matthias für den Lesegenuß.
    Hab den Artikel erst selbst dreimal gelesen und dann im Büro mehreren vorgelesen !
    Westfälische Nachrichten: 0 Matthias: 1

  2. Niklas Hüttneram 15. November 2012 um 15:46 2

    Ist das Video nur bei mir nicht mehr anzuschauen (Aus rechtlichen Gründen)? Falls nicht, hier ein anderes Video mit dem Tor: http://www.youtube.com/watch?v=SPwjZYQ41Nc

  3. Saschaam 15. November 2012 um 23:21 3

    Hallo Matthias,
    Messi kann ich nicht langweilig finden. Ronaldo (Chr.) schon.
    Deine Einschätzung zu Ibrahimovic; teile ich komplett (und musste noch grinsen). Tolles Tor, wiederum, kein Widerspruch!
    Gruß
    Sascha

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