Defensiv fährt Schalke nun auf der letzten Rille

23. Jan. 2012 | 6 Kommentare

Und dann zappelte der Ball auch schon im Netz. Gut zwei Minuten waren am Samstag gegen Stuttgart gespielt, als Joel Matip das Spielgerät nach einer Ecke von Alexander Baumjohann und einem Kopfball von Benedikt Höwedes über die Linie drückte. Es war zwar die erste nennenswerte Szene überhaupt, doch es war schon der Knackpunkt. Eine Führung zu verteidigen hat die Mannschaft unter Huub Stevens mittlerweile gelernt. Nicht durch Mauertaktik, sondern durch ein – für den Gegner sicherlich fieses – Lauerspiel kombiniert mit ständigen Störfeuern. Stuttgart fiel dazu nichts ein. Als Kyriakos Papadopoulos nach einer knappen Stunde per Kopf einen Eckball von Julian Draxler über die Linie wuchtete und selbst dem indisponierten Schiedsrichtergespann um Felix Brych auf die Schnelle kein Grund einfiel, dem Treffer die Anerkennung zu verweigern, war der Fisch gelutscht. Der Rest war Zugabe. Ein atemberaubend schöner Kurzpass-Spielzug über Draxler, Marica, Raúl, Huntelaar und final erneut Draxler besorgte das 3:0. Stuttgarts Ehrentreffer zum 3:1 durch Okazaki war nur noch statistisch von Belang. Damit endet der Spielbericht – eigentlich. Uneigentlich muss aber doch noch etwas gesagt werden.

Huub Stevens ging das Jones-Problem so an, wie es sich angedeutet hatte: Joel Matip rückte auf die Sechser-Position und wurde dabei abwechselnd von Alexander Baumjohann und Marco Höger unterstützt. In der Abwehr wechselte Benni Höwedes in die Innenverteidigung. Auf rechts feierte dafür Atsuto Uchida ein gelungenes Comeback und knüpfte im Zusammenspiel mit Chinedu Obasi erste zarte Bande mit dem Neuzugang. Das klappte natürlich nicht immer perfekt, sah aber auch nicht hoffnungslos aus. Obwohl in Schalkes Defensivverbund mit Ausnahme von Christian Fuchs und Kyriakos Papadopoulos auf allen Positionen rochiert wurde, wirkte es doch erstaunlich sicher und ich ertappte mich bei dem Gedanken, das Thema „Wie funktioniert Schalke ohne Jermaine Jones“ auf den „Mission erfüllt!“-Stapel zu legen. Doch dann kam die 32. Minute und der folgenreiche Zusammenstoß von Höwedes und Höger…


Gegen ein phasenweise wie narkotisiert wirkendes Stuttgart fiel es nicht großartig ins Gewicht, dass Schalke ab der 40. Minute ohne den Kapitän agieren musste. Christoph Metzelder rückte ins Team und machte seine Aufgabe gut. Doch nach der Diagnose „dreifacher Jochbeinbruch“ und der Prognose „sechs bis acht Wochen Ausfall“ für Höwedes sowie der ebenfalls verletzungsbedingten Auswechslung von Baumjohann fährt Schalke defensiv nun endgültig auf der letzten Rille. Was gegen die Schwaben funktionierte ist keine Garantie für die kommenden Wochen. Es ist logisch und richtig, dass Horst Heldt in einer ersten Reaktion nach dem Spiel einen Defensiv-Neuzugang nicht ausschloss. Ob er jedoch in den nächsten Tagen eine sportlich wie finanziell sinnvolle Lösung präsentieren kann, steht auf einem anderen Blatt.

Der Sieg gegen Stuttgart hat gut getan. Dass ausgerechnet die junge Schalker Garde – 20-, 19- und 18jährig – für die Treffer sorgte, war ein besonderer Wohlfühlfaktor. Der Erfolg war verdient und stellt für den Moment die Punktgleichheit mit dem Tabellenführer her. Eitel Sonnenschein sieht jedoch anders aus. Zuversichtlich stimmt mich aktuell nur mein absolutes Vertrauen in Huub Stevens. Wenn es jemand schafft, trotz angespanntester Personalsituation eine ordentliche Abwehr zu formen, dann er.

Mehr zum Spiel schreibt der „kicker“.

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6 Kommentare zu “Defensiv fährt Schalke nun auf der letzten Rille”

  1. Manfredam 23. Januar 2012 um 07:21 1

    Ja,ja, d’accord und so, aber: du lutschst Fisch???

  2. Diego_04am 23. Januar 2012 um 07:34 2

    Ein Link zum Kicker? Befremdlich.

    PS
    Fische werden geschält.

  3. Uweam 23. Januar 2012 um 08:44 3

    @Diego_04: Was soll Matthias denn sonst verlinken? SPORT BILD? oder PLAYBOY? 😉

    Den Link gibt´s übrigens an jedem Spieltag – und ich kann da nichts befremdlich finden, obwohl ich das kicker-Abo auch bereits vor längerem storniert habe….

  4. Matthiasam 23. Januar 2012 um 09:52 4

    Ja, ich verlinke – wenig originell – zum „kicker“. Oft geschieht dies nur aus Faulheit, da ich meistens keine Lust darauf habe, sämtliche Online-Zeitungen nach „unique Content“ zu durchforsten. Zwar findet man im Netz nach einem Schalke-Spiel Hunderte Spielberichte, aber die meisten verwursten nur Agenturtexte. Beim kicker weiß ich wenigstens, dass der Text selbst verfasst wurde. Außerdem gefällt mir der verlässliche Aufbau von kicker-Spielberichten: Personelle Situation, taktische Ausrichtung, Spielverlauf, Fazit, Vorschau. Das alles gepaart mit der Seitenspalte, in der die Spiel- und Spielerdaten übersichtlich zusammengefasst sind, machen den kicker für mich nach wie vor zu einer wichtigen Quelle.

    Der zweite Hauptgrund, warum ich – trotz aller berechtigten Kritik – gerne zum kicker verlinke ist, dass die Webseite seit Jahren mit einer verlässlichen Linkstruktur versehen ist. Andere Portale wie DerWesten.de haben in letzter Zeit häufiger „relauncht“ und damit neue Linksstrukturen eingeführt. Da kam es dann vor, dass Links zu einem bestimmten Bericht nach einem Redesign plötzlich ins Leere führten. Das finde ich unschön.

    Zum gelutschten Fisch: Vor Jahren mal hat ein Kunde dieses Spruch vor mir getätigt. Ich weiß zwar, dass das Sprichwort sich eigentlich auf „den Drops“ bezieht, aber ich finde, die Fisch-Version hat etwas sehr Plastisches. Dass es aufgefallen ist, freut mich, denn Sprichwörter verleiten zumeist dazu, sie einfach zu überlesen. Ein leicht abgewandeltes Sprichwort hingegen ist ein „sprachlicher Stolperstein“, der den überfliegenden Lesefluss bewusst unterbrechen kann.

    In diesem Sinne: Verzeiht mir die Verballhornung bitte. Es ist nicht alles Gold, was die Taube auf dem Dach in der Morgenstund‘ hat 😉

  5. Diego_04am 23. Januar 2012 um 09:54 5

    @Uwe:
    Zwischenzeitlich kann er da ebenso gut zur BILD verlinken. Man braucht sich nur mal den unreflektiert wiedergekäuten Mist von Matips Abseitsposition bei Hunters Tor anzusehen. Nach meiner natürlich unmaßgeblichen Meinung sollte man sich ab einem gewissen Niveau, das Matthias bei weitem überschreitet, von derartigen Verknüpfungen fernhalten. Auch oder gerade dann, wenn es Gewohnheit sein mag. Ich fände diesen Link ganz gut: http://www.bundesliga.de/de/statistik/spieltag/

  6. Carlito69am 24. Januar 2012 um 05:55 6

    Sehr schöner Bericht.

    Schön, dass die Leistung von Brych und seinem Team ob des Ergebnisses nicht weiter ins Gewicht fällt. Und auch schön,dass bei Bene die OP anscheinend überraschend gut verlaufen ist, so dass er vielleicht “schon “ in 2-3 Wochen wieder spielen kann. Im ersten Schreck dachte ich auch sofort, dass HH jetzt was machen müsste, aber nach intensiver Twitter- und Forensdiskussion komme ich immer mehr zu dem Ergebnis,dass ich eine interne Lösung bevorzuge, insbesondere, wenn Bene wirklich “so schnell “ wieder spielen könnte.