Kein Pfeiffen im Walde

05. Mrz. 2007 | Keine Kommentare

Am vorletzten Sonntag spielte Schalke gegen Leverkusen. Am Ende der 90 Minuten stehen 8:4 Ecken und 11:1 (!) Chancen. Leverkusen gewinnt durch seinen einzigen Angriff in der 84. Minute mit 1:0. Fünf Tage später ist der HSV zu Gast auf Schalke. Wieder ist es ein Spiel auf ein Tor, wieder gehen die Gäste mit ihrem ersten Angriff mit 1:0 in Führung, legen mit ihrem zweiten Torschuss noch das 2:0 nach. Wieder hat Schalke verloren. Und was noch viel schimmer ist: Seit mittlerweile 241 Minuten warten die Königsblauen auf einen eigenen Treffer. Meisterschaft ade? Ja, es scheint in der Tat so! Auch ich war am Freitagabend bitter enttäuscht. Doch heute, mit drei Tagen Abstand, sehe ich die Dinge wieder etwas anders, vielleicht sogar etwas klarer. Denn bei aller angebrachten Selbstkritik der derzeitigen Stunde – noch ist überhaupt nichts verloren. Ganz im Gegenteil! Denn Schalke ist nach wie vor die einzige Mannschaft der Liga, die den Titel aus eigener Kraft erreichen kann. Woher ich diese Zuversicht beziehe? Weil gerade die die direkte Konkurrenz alles andere als furchterregend daherkommt.

Da hätten wir zum einen den SV Werder Bremen, in meinen Augen nach wie vor der ernsthafteste Titelkonkurrent. Der Februar verlief für die Werderaner bekanntlich alles andere als gut. Lagen Sie zur Winterpause noch punktgleich mit Schalke auf dem ersten Platz, so mussten sie nach einigen Niederlagen diesen Platz an der Sonne räumen. Durch den Sieg gegen Bochum am Samstag haben sie sich zwar wieder etwas herangerobbt, doch nach wie vor trennen Schalke und Bremen drei Zähler. Zudem ist Bremen bereits in dieser Woche wieder international gefordert, spielt am kommenden Donnerstag gegen Celta Vigo in Spanien um dann am Sonntag bei den Bayern aufzulaufen. So etwas nennt man wohl eine klassische Doppelbelastung.

Stichwort Doppelbelastung: Die haben die Bayern auch. Überhaupt, der FC Bayern München: Wenn ich jetzt höre und lese, dass die Bayern wieder oben auf sind, frage ich mich, wie klein die Ansprüche an der Isar mittlerweile geworden sind. In Rumpelfußball-Manier gewinnen die Bazis in der vergangenen Woche glücklich ein Heimspiel gegen den Fußballgiganten VfL Wolfsburg. Am Samstag legen sie ein erzittertes und unverdientes 3:2 in Berlin nach. Klar, das sind sechs Punkte. Aber ist das wirklich meisterlich? Fest steht: Bayern hat nach wie vor sechs Punkte Rückstand auf Schalke und darüber hinaus auch das schlechtere Torverhältnis. Da können sie so oft ihr “Mir san mir” hervorkramen wie sie wollen – im Vergleich zur Winterpause hat auch Bayern auf Schalke drei Punkte verloren! Am Mittwoch kommt dann auch noch Real Madrid in die Allianz-Arena. Keine angenehme Situation für die Münchner, zumal am Sonntag – ich schrieb es bereits – dann Bremen anrückt.

Wäre da also noch der galaktische VfB Stuttgart. Gleich zweimal hatten die Schwaben an den letzten beiden Spieltagen die Möglichkeit, zu Schalke aufzuschließen. Gleich zweimal haben sie versagt. Zumindest aber muss man dem VfB zu Gute halten, dass sie die einzige Mannschaft der Spitzengruppe sind, die im Februar nicht auf Schalke Punkte verloren hat. Am 17. Spieltag stand der VfB vier Zähler hinter den Knappen, heute sind es – Überraschung – weiterhin vier Zähler. Stuttgart wird somit – komme was da wolle – beim nächsten Heimspiel der Schalker noch hinter dem S04 stehen. Und wer ist zu Gast, wenn am 17. März der Ball wieder in der Veltins-Arena rollt? Richtig: Stuttgart! Dann wird man sehen, wie weit der VfB wirklich ist.

Dass auf Schalke derzeit mal wieder einiges im Argen liegt, kann freilich nicht wegdiskutiert werden. Zu sehr schmerzen die Ausfälle von Pander, Varela, Lövenkrands und Lincoln, als dass man vom S04 nun Wunderdinge erwarten dürfte. Zu schwach spielen derzeit insbesondere die Altintop-Brüder, als dass man im Mittelfeld und im Sturm große Durchschlagskraft erwarten darf. Wichtig ist aber: Bei beiden zuletzt verlorenen Spielen war Schalke dennoch die deutlich stärkere Mannschaft und verlor unverdient. Eine ähnliche Leistung wie gegen Hamburg und Leverkusen am kommenden Samstag, ein klein bisschen weniger Pech, dann reicht es zumindest zu einem Punkt bei Hannover 96. Dieser eine Punkt würde die Knappen wieder einen Schritt näher zum Saisonende bringen, zu einem Saisonende, bei dem man dann wieder auf die verletzten Lövenkrands, Pander (Comeback vielleicht schon gegen Stuttgart) und den gesperrten Lincoln zurückgreifen kann.

Kurzum: Wer am 21. Spieltag dachte, Schalke sei bereits Meister, der lag falsch. Wer nun allerdings am 24. Spieltag denkt, Schalke könne das große Ziel auf keinen Fall mehr erreichen, irrt genauso.

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