Ein Blick in die Runde – Teil 1

14. Mai. 2008 | Keine Kommentare

Die Bundesliga-Saison ist fast vorbei. Hier und da fehlen allerdings noch ein paar Entscheidungen. Wer wird Zweiter, wer Dritter, wer schafft es in den UEFA-Cup, wer darf sich am UI-Cup versuchen und wer folgt Rostock und Duisburg in die Zweite Liga. Für Spannung ist am letzten Spieltag also durchaus noch gesorgt. Doch wie sieht es eigentlich in den anderen europäischen Ligen aus? Sind da schon alle Messen gelesen oder geht’s noch um etwas? Ein Blick in die Runde, der so manche Überraschung bereit hält.

Fangen wir mal mit einer Liga an, die man als durchschnittlicher deutscher Fußballfan neben der Bundesliga noch im Blick hat. Unsere Reise geht nach Großbritannien, genauer nach England, wo Manchester United am vergangenen Sonntag den Meistertitel feierte und somit zum zweiten Mal in Folge den FC Chelsea auf den zweiten Platz verwies. Pikant in diesem Zusammenhang: Am kommenden Mittwoch stehen sich beide Teams in Moskau im Finale der Champions-League gegenüber. In die CL-Qualifikation marschierten der FC Arsenal und Liverpool. Alles in allem also in England nichts neues, zumal sich auch der FC Everton – wie bereits im Vorjahr – wieder für den UEFA-Cup qualifizierte. Unter den drei Absteigern befinden sich mit Birmingham City und Derby County gleich zwei Aufsteiger des letzten Jahres. Der dritte Absteiger, FC Reading, hat es ebenfalls nur kurz in der Premier-League ausgehalten und geht nach nur zwei Spielzeiten wieder runter.

Bleiben wir auf der Insel und gehen weiter nach Schottland. Hier läuft die Saison noch und birgt noch jede Menge Spannung. Naja, Spannung nach schottischen Maßstäben allerdings. Denn natürlich kommt der Meister aus Glasgow. Einen Spieltag vor dem Ende führt Celtic mit vier Punkten die Liga vor den Rangers an. Klare Sache? Mitnichten! Denn die Rangers haben noch zwei Nachholspiele vor der Brust, könnten es also noch aus eigener Kraft schaffen. Fest steht indes, dass der FC Motherwell als Dritter die Qualifikation zum UEFA-Cup bereichert und der FC Gretna mit weit über 20 Punkten Abstand auf den Vorletzten FC St. Mirren absteigt. Zur Ehrenrettung von Gretna, das derzeit mit 10 Punkten und -52 Toren herum dümpelt, sei allerdings gesagt, dass dem Verein aufgrund von finanziellen Unregelmäßigkeiten 10 Punkte abgezogen worden sind, was sich sicherlich nicht unbedingt motivierend ausgewirkt hat.

Großbritannien besteht verbandstechnisch nicht nur aus England und Schottland, auch in Wales wird professionell vor den Ball getreten. Hier gratuliere ich Llanelli AFC zum Titel und dem Startplatz in der CL-Quali. Der Vorjahresmeister TNS Llansantffraid muss sich mit Platz zwei und einem Startplatz im UEFA-Cup-Quali trösten. Die beiden Absteiger heißen Caersws FC und Llangefni Town. Wer weiß, wie diese walisischen Städte ausgesprochen werden, schreibt bitte einen lautschriftlichen Kommentar. Cardiff, die einzige Stadt aus Wales, die man eventuell noch kennen könnte ohne passionierter Britannien-Urlauber zu sein, spielt in der walisischen Meisterschaft übrigens traditionell keine Rolle. Seit Urzeiten schon spielen die “Bluebirds” im englischen “Fußballexil” und haben es inzwischen in die zweithöchste englische Spielklasse geschafft.

Nordirland feierte vor ein paar Tagen den Meister und CL-Quali-Teilnehmer Linfield FC, freute sich mit dem UEFA-Cup-Quali-Teilnehmer Glentoran FC und trauert mit den Absteigern Limavady United und Armagh City. Irland hingegen spielt eine Saison von Frühjahr bis Herbst und hat deshalb derzeit erst 10 von von 33 Spieltagen hinter sich gebracht. Der amtierende Meister Drogheda United, der aufgrund des letztjährigen Titels in diesem Jahr in der CL-Quali antreten darf, steht derzeit übrigens nur im Mittelfeld der 12er-Liga.

Jetzt aber nichts wie weg von den Inseln und weit in den Süden gesprungen. Wir schauen nach Spanien, wo es in diesem Jahr gleich einige Überraschungen gab. Nein, der Titel für Real Madrid war sicherlich keine davon, aber dass sich mit dem FC Villarreal ein Team aus der “zweiten Garde” den zweiten Platz und somit die direkte CL-Qualifikation sichert, schon eher. Für den aktuellen Dritten, FC Barcelona, könnte es übrigens noch ganz dicke kommen. Denn nur drei Punkte Vorsprung vor dem FC Sevilla auf Platz fünf könnten bedeuten, dass man am letzten Spieltag sogar noch aus den CL-Quali-Rängen rutscht. Allerdings nur, wenn Sevilla am kommenden Wochenende neben den drei Punkten noch acht Tore Differenz gut macht. OK, das scheint eher ausgeschlossen, doch Atletico Madrid, das wie Barcelona drei Punkte Vorsprung auf Sevilla, dafür aber ein schlechteres Torverhältnis als die Christian-Poulsen-Truppe hat, sollte im Heimspiel gegen Bilbao schon punkten, um sicher in der CL-Quali zu stehen. Spannend wird zudem auch noch das Duell um den UEFA-Cup-Startplatz, der mit Platz 6 der Liga verbunden ist. Hier haben der RCD Mallorca (56 Punkte, +14 Tore) und Racing Santander (57 Punkte, +/- 0 Tore) noch Hoffnungen. Mallorca trifft zuhause auf Saragossa, dass sich seinerseits noch Hoffnungen auf den Klassenerhalt machen kann, dafür aber am letzten Spieltag noch einen Punkt auf Osasuna oder Huelva, bzw. zwei Punkte auf Valladolid gut machen muss. Als sichere Absteiger stehen schon seit Wochen Levante und Murcia fest. Levante, das mit mickerigen 26 Punkten am Tabellenende steht, droht übrigens damit, für einen Skandal zu sorgen und am letzten Spieltag nicht beim Meister Madrid anzutreten. Grund: Die Spieler streiken nachdem die Vereinsführung Gehaltszahlungen nicht geleistet hat.

Andorra, der Zwergstaat in den Pyrenäen, der seine Länderspiele in der Regel im Amateur-Stadion des FC Barcelona austrägt, verfügt ebenfalls über eine “Profi”-Liga. Acht Teams kämpfen hier um einen Platz in der CL-Quali. Meister wurde Santa Coloma, das sich nun also an der Königsklasse versuchen darf und – ich wage diese Prognose – scheitern wird. Letzter wurde Casa Benfica mit der sagenhaften Ausbeute von einem Punkt und 4:57 Toren. Irgendwie sympatisch…

In Italien, das Land mit der pottuninteressantesten Liga Europas, führt derzeit Inter Mailand mit einem Punkt Vorsprung vor dem AS Rom. Sicher in der CL-Quali stehen die chronischen Meisterschaftsverschieber von Juventus Turin. Der AC Florenz hat mit derzeit 63 Punkten gute Chancen, sich den vierten Platz (= ebenfalls CL-Quali) zu sichern, es sei denn, man lässt sich von der Altherren-Abteilung des AC Mailand (61 Punkte) noch abfangen. Doch es scheint, als “müsse” die Champions-League im kommenden Jahr ohne die Rheumastrumpf-Abteilung des italienischen Präsidenten Berlusconi auskommen. (Es sei denn, der AC besticht noch einen Verbandsoberen, der Mailand per Dekret in die Königsklasse befördert. Nach den Vorkommnissen der letzten Jahre ist dies nicht einmal eine utopische Annahme…). Abgestiegen ist Livorno. Empoli hat nur noch rechnerische Chancen, der FC Parma muss mit zwei Punkten Rückstand auf das rettende Ufer, das derzeit vom Cantania belegt wird, ebenfalls auf ein Wunder hoffen. Zu spielen ist übrigens noch genau eine Runde und das spannende Saisonfinale wird eventuell dafür sorgen, dass der Zuschauerschnitt in den Stadien die Zahl von 10.000 Faschisten Fans annähernd erreichen könnte.

Im Gegensatz zur italienischen Liga ist mir das Oberhaus des Fußballs in San Marino, dem Zwergstaat innerhalb Italiens, geradezu sympatisch, hört es doch auf den tollen Namen Campionato Dilettanti. Größter Dilettant ist demnach der FC Santa Coloma, der deshalb auch in der CL-Quali antreten darf. Vizemeister UE Sant Julià startet in der UEFA-Cup-Qualifikation. Schlechtester Dilettant wurde übrigens Casa Benfica, das die Relegationsrunde zur ersten Liga abgeschlagen mit nur 7 Punkten abschloss.

In Frankreich, der nächsten Station meines Blicks in die Runde, steht Serienmeister Olympique Lyon – und das ist eine echte Überraschung – noch nicht als Meister fest! Der Tabellenzweite Bordeaux könnte dafür sorgen, dass Lyon zum ersten Mal seit 2001/2002 noch abgefangen wird. Zwei Punkte Rückstand sind es vor dem letzten Spieltag auf Lyon, beide Titelanwärter müssen auswärts ran. Wie auch immer es ausgeht – beide Teams sind sicher in der Champions League dabei. Den dritten Platz und damit die CL-Quali möchte der AS Nancy (Frei nach Majestätix: Ich kenne kein Nancy, ich habe noch nie etwas von Nancy gehört!) verteidigen, muss einen Punkt Vorsprung gegenüber Marseille jedoch noch über die Ziellinie bringen. Lille, St. Etienne, Rennes und mit größten Abstrichen auch noch Le Mans kämpfen um den fünften Platz, gleichbedeutend mit dem UEFA-Cup. Während die Neulinge Metz (zu allem Überfluss auch 1 Punkt Abzug aufgrund rassistischer Entgleisungen der Fans) und Straßbourg nach einem Jahr schon wieder Adiéu sagen, ist der Kampf gegen den drittletzten Platz noch heiß und voller Tradition. Erwischen könnte es den einstigen Renommierclub Paris St. Germain (40 Punkte), Toulouse (39) oder Lens (39), ebenfalls in den letzten 15 Jahren eine Top-Adresse des französischen Fußballs.

Von Frankreich aus geht es weiter nach Belgien. Und schau’ mal einer an: Hier hat sich Standard Lüttich den ersten Meistertitel seit exakt 25 Jahren gesichert und den Vorjahresmeister RSC Anderlecht auf den zweiten Platz verdrängt. Beide treten nun in der CL-Quali an. Für den UEFA-Cup qualifizierte sich ein Verein, den wir 1997 sowieso geschlagen haben: der FC Brügge. Abgestiegen mit 19 mageren Pünktchen aus 34 Spielen ist der FC Molenbeek aus Brüssel. Der Vorletzte Sint-Truiden muss in die Relegation.

Vom Fußball-Zwergstaat Belgien geht’s weiter zu den Giganten aus Luxemburg. Hier feierte der FC Dudelange seinen vierten Meistertitel in Folge mit dem knappen Vorsprung von 21 Punkten nach 22 Spielen der 14er-Liga. Dudelange darf nun in der CL-Quali starten, an der UEFA-Cup-Quali wird sich indes der Zweite, Union Luxemburg, versuchen. Abgestiegen sind Rosport und Pétange, in die Relegation wandert der FC Wiltz 71.

In unser aller Lieblings-Nachbarland, den Niederlanden, hat der Ausgang der Liga so gut wie nichts zu bedeuten, wie Herr Wieland jüngst sehr schön beschrieb. Halten wir hier der Einfachheit halber fest, dass der PSV Eindhoven Meister geworden ist und deshalb in der CL startet. Der Rest klärt sich erst in diesen Tagen in den Playoffs um CL-Quali, UEFA-Cup und Klassenerhalt.

In Dänemark ist die Saison zwar noch nicht beendet und wartet auf noch auf volle drei Spieltage, alles andere als der Titel für Aalborg BK wäre jedoch angesichts von acht Punkten Vorsprung (bei nur noch neun zu vergebenen Zählern) auf den Vorjahresmeister FC Kopenhagen eine Überraschung. Auch die Abstiegsfrage ist de facto geklärt. Neben Lyngby (9 Punkte Rückstand auf das rettende Ufer) muss wohl auch Viborg (6 Punkte Rückstand) eine Liga runter. Eine ganz schlechte Saison erwischte übrigens der einstige Serienmeister Brondby IF aus der Nähe von Kopenhagen. In der 12er-Liga steht man derzeit auf Rang neun jenseits von Gut und Böse. Es droht die schlechteste Saison seit 30 Jahren.

In den restlichen Ländern Skandinaviens, die mit Ausnahme von Dänemark ihre Saisons von Frühjahr bis Herbst ausspielen, ist derzeit noch nicht einmal ein Drittel der Spielzeiten absolviert. Kalmar liegt derzeit bei den Schweden in Front, Staebaek IF in Norwegen (wo Rosenborg Trodheim nach dem Fast-Abstieg im letzten Jahr übrigens schon wieder Vorletzter ist) und in Finnland grüßt Inter Turku nach erst vier gespielten Begegnungen von der Spitze.

Ebenfalls mitten in der Saison befinden sich die baltischen Staaten. In Estland führt nach zehn Spieltagen Flora Tallinn vor Levadia Tallinn und TVMK Tallinn (allerdings ist in der Hauptstadt nun auch nicht alles eitel Sonnenschein, denn mit JK Tallinna Kalev steht ein örtlicher Verein auch am Tabellenende). In Lettland steht nach sechs Spieltagen Ventspils an der Tabellenspitze (das den Schalkern aus dem UI-Cup bekannte Metallurgs Liepaja rangiert übrigens aktuell auf Platz 5 in der 10er-Liga) und der aktuelle Spitzenreiter in Litauen hört nach acht Spieltagen der 8er-Liga auf den klangvollen Namen Suduva Marijampole.

Fast vergessen hätte ich in diesem ersten Teil des Blicks in die Runde übrigens Portugal. Hier feierte mit dem FC Porto einer von Schalkes CL-Gegnern den Titel. Satte 20 Punkte Vorsprung waren es auf Sporting Lassabon, das wie Porto in der Champions League starten wird. Guimaraes wandert als Dritter in die CL-Quali, Benfica Lissabon, Maritimo und Setubal starten im UEFA-Cup. Ferreira und Leiria wandern als Absteiger in die Zweite Liga.

Womit ich den Blick in die Runde heute auch beenden möchte. Morgen warten schließlich auch noch einige Fußballnationen und Fußballexoten.

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