Blankziehen auf Schalke

27. Okt. 2008 | 13 Kommentare

Das Online-Magazin “Stadionwelt” berichtet von ungeheuerlichen Vorgängen im Vorfeld des UEFA-Cups-Spiels gegen Paris Saint-Germain.

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13 Kommentare zu “Blankziehen auf Schalke”

  1. matthiaßam 27. Oktober 2008 um 14:04 1

    Das ist durchaus sehr unschön. Peinlich. Aber wenn man nun auch noch neben den Böllern die Laserlämpchen finden muss, wird der Kontrollwahn noch schlimmer. Dann ziehen nicht nur die Pariser blank!

  2. verschwenderam 27. Oktober 2008 um 14:34 2

    Ist natürlich eine unbeschreibliche Frechheit, auch wenn ich die PSG Ultras nicht als Gästefans sondern eher als rassistischen Mob bezeichnen würde.

  3. matthiaßam 27. Oktober 2008 um 23:31 3

    Habe nochmal nachgedacht, leider: Das ist mit das Schlimmste, was man sich für “Gäste”fans ausdenken kann. Die in dem Bericht erwähnten Rufe der Pariser waren berechtigt. Und auch wenn es Ultras oder Allways sind, das ist jenseits aller menschlichen Handlungsstrategien. Zumal es dann ja doch böllerte ist diese Art der Kontrolle unangemessen weil auch unnütz. Waren denn die Einlasskoordinatoren geschulte Kräfte, die diese Massnahmen durchführen sollten? Wer ist dafür verantwortlich? Es ist ein Skandal!

  4. hellwacham 28. Oktober 2008 um 00:55 4

    Sorry Männer,

    ich habe keine (Hintergrund-)Kenntnisse, die mir erlauben, die zitierten Anklagen zu bewerten.

    Ich habe allerdings vor Ort gesehen, dass Feuerwerk -und ich glaube, das ist verboten, oder?- abgebrannt wurde. Was mich, unabhängig von Matthias Beitrag, schließen lässt:

    Der Ordnungsdienst hat dilettantisch gearbeitet
    oder
    die Pariser haben ihr bengalisches Feuer vor der Arena in namentliche gepackt, runter geschluckt, auf der Tribüne ausgekackt und (der Steiger kommt, haha…) angezünd´t….

    Haltet mal den Ball flach. Ich bin froh, dass die 80er lange und endgültig vorbei sind und ich jeder Mutter sagen kann, dass sie ihre Kinder (und auch die Mutter selbst) ohne Angst ins Stadion gehen können.

    Wenn ein paar asoziale und häufig radikale Elemente -oder soll ich sagen: Gesocks?- glauben, den Fußball als Vehikel für ihr kriminelles Getue nutzen zu können, muss dem energisch entgegnet werden.

    Es hat Zeiten gegeben, in denen sich Leute geschämt haben, zuzugeben, dass sie ins Stadion gehen. Überall, nicht nur auf Schalke. In den 80ern galten Fußball-Fans als asozial.

    Bezogen auf Minderheiten zu Recht. Ich habe im Parkstadion -speziell bei sog. Revier-Derbies- richtige Jagd-Szenen miterlebt. Für die Schilderung von Einzelheiten ist hier nicht Ort und Zeit, kann ich aber bei Bedarf im Dialog gerne nachreichen.

    Wenn der Urlaub auf Mallorca demnächst ein Nacktscanning am Flughafen kostet, der Arenabesuch das Ausziehen vor bewaffnten Sheriffs erfordert,
    und ich dafür heil hin und zurück komme, -finde ich das Scheiße!- aber das ist nicht Schuld der Security, des Vereins oder des Schalker Publikums.

    Das ist denjenigen zu verdanken, die den Fußball für die Verfolgung ihrer radikalen Ziele missbrauchen wollen.

    Ich möchte das nicht wieder in unseren Stadien erleben. Von der Bundesliga bis in die Kreisklasse.

    Glückauf

  5. matthiaßam 28. Oktober 2008 um 01:18 5

    Aber können nicht auch andere Strategien zu mehr Erfolg führen als diese? Geböllert wurde ja doch!

  6. Matthiasam 28. Oktober 2008 um 10:58 6

    Mittlerweile gibt es zu den Kontrollen beim Spiel gegen PSG auch eine offizielle Stellungnahme des FC Schalke 04.

    Ich habe mich bewusst mit einer Kommentierung zurückgehalten, weil ich einerseits natürlich die Gründe für ein derartiges Vorgehen nachvollziehen kann. Jedoch widerstrebt mir jegliche Form von Sippenhaft. Ich selbst bin zwar kein Allesfahrer, aber bei so vier bis sechs Auswärtsspielen pro Jahr bin ich auch dabei – gerne auch in Europa. Wenn ich nun aber damit rechnen muss, mich vor einem Spiel unvermittelt ausziehen zu müssen (und wir alle wissen, dass Stadionordner keine Sozialpädagogen sind und teilweise auf der anderen Seite des Zaunes deutlich besser aufgehoben wären), werde ich meine Auswärtsaktivitäten gewaltig überdenken. Nicht weil ich etwas zu verbergen habe, auch nicht, weil ich mich mit den Chaoten solidarisiere, sondern weil ich für mich das unumstößliche Recht geltend mache, über meine Nacktheit selbst zu bestimmen.

    Auf der einen Seite regt sich Deutschland über Ganzkörperscanner an Flughäfen auf, deren Bilder mehr Ähnlichkeit mit einer 500 Jahre alten Moorleiche denn mit einem echten menschlichen Körper haben, auf der anderen Seite sollen wir zu Gunsten der Sicherheit als Auswärtsfan auf den letzten Rest Menschenwürde verzichten? Nee, Leute! Da muss es andere, bessere Strategien geben, als einen ganzen Fanblock unter Generalverdacht zu stellen und alle wie Verbrecher zu behandeln, nur weil es unter ihnen auch ein paar schwarze Schafe gibt. In den Niederlanden gibt es meines Wissens seit Jahren schon eine “Fan-Card”, die jeder, der auswärts fahren möchte, persönlich beantragen muss. Das wäre beispielsweise ein erster Schritt (auch wenn dann wahrscheinlich wieder die Datenschützer aufheulen werden. Aber in Zeiten, in denen Leute freiwillig für 0,3 Prozent Rabatt im Rahmen von Payback und Co. internationalen Großkonzernen die intimsten Privatdetails bis hin zur Kondomgröße verraten, sollte man da auch mal Fünfe gerade sein lassen).

    Ganz abgesehen davon: Wenn man so scharf kontrolliert, dann auch komplett! Was sollen Stichproben bringen, selbst wenn die zu untersuchenden Personen von französischen Sicherheitskräften ausgewählt wurden? Wie Matthiaß sehr richtig anmerkt, sind letztendlich doch verbotene Gegenstände ins Stadion gelangt. Außer bösem Blut und einer ganz schlechten Publicity hat die Aktion also recht wenig gebracht.

  7. verschwenderam 28. Oktober 2008 um 23:16 7

    Es gibt ausgebildete Hunde, die Bengalos, Feuerwerkskörper, Sprengstoff noch riechen können wenn sie in 20 Tupperdosen und sechs Lagen Frischhaltefolie eingepackt sind. Also Nacktkontrolle ist per se nicht vonnöten. Ist halt nur billiger 50 4,50 € netto Kräfte zur Leibesvisitation abzustellen als 1 oder 2 Hunde auszubilden. So sieht es doch aus.

  8. verschwenderam 28. Oktober 2008 um 23:31 8

    Aber davon abgesehen muß man auch einfach mal überlegen warum diese Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden. Wir wissen ganz genau, daß nur berichtet wird, wenn da ein Mob von 150! rechtsradikalen PSG Hooligans einen farbigen Polizisten und einen israelischen Fan so sehr bedrohen, daß der Polizist aus Notwehr zur Waffe greifen muß. Warum sind damals nicht alle französischen Clubs genauso wie die englischen Clubs nach Heysel für den internationalen Wettbewerb gesperrt worden? Und wenn ein Verein auch noch diesen asozialen Mob in Schutz nimmt und juristisch für sein Recht kämpft weiterhin Fußballspiele zu besuchen da frage ich mich auch ob ich noch Fan von ihm sein möchte. Das hat dann auch nichts mehr mit Sippenhaft zu tun.

  9. Schlackesam 29. Oktober 2008 um 11:20 9

    Noch Fragen ?
    Ausschnitt aus der offiziellen Schalke o4 Stellungnahme :
    Insgesamt wurden 172 Gegenstände abgenommen, darunter 29 Messer und vier Gasflaschen. Nachdem sich diese scharfen Kontrollen bei den Fans herumgesprochen hatten, gab es viele Handyanrufe… Wir dürfen getrost davon ausgehen, dass weitere Gegenstände und Pyrotechnik entweder in Pkws zurückgebracht worden sind oder in den Außenanlagen um die VELTINS-Arena versteckt wurden.

    Chiao

  10. matthiaßam 29. Oktober 2008 um 11:44 10

    Das mit den Hunden würde sich aber doch rechnen, wenn man davon ausgeht, dass die Einlasskoordinatoren zwar 4,50 € in der Stunde bekommen, die Sicherheitsfirma aber 15,40 € die Stunde (zzgl. MWSt) berechnet. Die Unterhaltskosten für einen ausgebildeten Wurst- und Böllerriecher, der natürlich eine gewisse Körpergröße vorweisen sollte, liegen bei ca. 7 € pro Tag. Hier könnten aber wegen der gewerblichen Nutzung des Tieres Steuern abgesetzt werden. Das bezöge sich auch auf die Ausgaben der Ausbildung. Pro Hund sollte noch ein ausgebildeter Führer bezahlt werden, den bekommt man natürlich nicht für 4,50 € oder 15,40 € die Stunde. Diese Leute sind teuer. Jetzt noch die Anzahl der Einsatzstunden mit den anfallenden Kosten in ein gescheites Verhältnis gebracht, Diagramme aufmalen, Tabellen verknüpfen und fertig. Lernt man doch als Manager.
    So, diesen ganzen Kram sollte nun der Herr Müller ausrechnen, er ist ja der Manager und dann selber entscheiden, was günstiger ist. Er möchte aber auch bitte den Schaden berücksichtigen, der durch das “böse Blut und einer ganz schlechten Publicity” entstehen kann.

  11. Matthiasam 29. Oktober 2008 um 11:54 11

    Und dennoch meine ich, dass der Zweck nicht die Mittel heiligt. Wie der Verschwender richtig angemerkt hat, gibt es andere Möglichkeiten, als den kollektiven Entkleidungszwang. Man kann die Leute abstasten (und zwar richtig abtasten, nicht zweimal auf die Schulter klopfen, wie es sonst immer geschieht), man kann sie mit Metalldetektoren “ableuchten” (und zwar richtig, d.h. nicht davon ausgehen, dass ein “Piepser” zwischen Halsschlagader und Knöchel höchstwahrscheinlich nur der Hosenknopf ist), man kann sie auch auffordern, dicke Jacken oder Mäntel auszuziehen, die eventuell etwas kaschieren könnten. Das ganze würde in etwa genau so viel Zeit in Anspruch nehmen, wie eine Komplett-Entkleidung in einem eigens aufgestellten Zelt und würde ebenso zu massenhaften Funden und hektischen Handy-Telefonaten führen. Es geht mir hier nicht darum, dass die die PSG-Hools in Schutz nehmen möchte. Ich will auch nicht den FC Schalke, die Polizei oder den Wachdienst Bremen anprangern. Es geht mir einzig und allein darum, dass ich nicht möchte, dass meine Freundin sich demnächst beim Auswärtsspiel bis auf die Unterwäsche ausziehen muss, nur weil sich die Stadionbetreiber keine sinn- und wirkungsvolleren Alternativen überlegen wollen. Für Pyrotechnik jeglicher Art gibt es Sprengstoffhunde (oder auch Schweine – nur mal am Rand angemerkt), für Metallgegenstände gibt es Metalldetektoren. Und beide machen weniger Fehler als angenervte Stadionordner, die nach ihrer Schicht an den Einlasskontrollen noch fünf Stunden lang Türsteher in der Dorfdisco sind. Ist die Menschenwürde, die man als Auswärtsfan in Stadien genießt, letztendlich also nur eine Frage der Kosten?

  12. verschwenderam 29. Oktober 2008 um 12:30 12

    Ich denke man sollte hier differenzieren. Es kommt immer auf den Einzelfall an. Ausgesucht wurden die Kontrollierten von den französischen Kollegen, die kennen ihre Pappenheimer wahrscheinlich genauso gut wie die Gelsenkirchener Szenebeamten ihre, was ja auch die stolze Ausbeute der Kontrolle nur bestätigt. Wenn diese strengen Kontrollen die Ausnahmen bleiben und nur dann, habe ich dagegen nichts einzuwenden. Weil der Schutz der normalen Fans einfach Vorrang hat. Wie die Vergangenheit leider schon allzu oft bewiesen hat ist der auch bitter nötig. Natürlich ist es keine angenehme Sache sich bis auf die Unterhose auszuziehen. Das Wehklagen über verletzte Menschenwürde kommt da schnell auf. Aber was würdest Du schreien wenn Deine Freundin von einem Feuerwerkskörper etc. während eines Spieles verletzt wird. Ist schon vorgekommen. Und ich frage mich immer noch, warum ein Verein dessen Anhängerschaft in der Vergangenheit für Tote verantwortlich war, nicht etwa wegen eines individuellen Streits sondern aus reinem Rassismus, nicht für mehrere Jahre international gesperrt ist. Ich denke die Verantwortung eines Vereins hört nicht vor den Stadiontoren auf. Wenn ich hier in den Kommentaren lese, die Gestaporufe der PSG Fans wären berechtigt kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

  13. matthiaßam 30. Oktober 2008 um 11:57 13

    Wer suchet det findet, wenn es sogar Böller oder Messer sind. Am Samstag sah ich bei dem Einlasskoordinator neben mir, dass dieser auch ein Messer gefunden hatte. Bei einem Schalker. Dieser musste sich dafür noch nicht einmal den Schal lockern.
    Wieviel man also so gefunden hat im Vergleich zu dem, was man sonst gefunden hätte? Da kann es nun keine Zahlen geben.
    Wenn auf deutschem Boden Unrecht im Bereich der Menschenwürde von einer Art uniformierten Truppe ausgeübt wird und gleichzeitig ein Recht auf Meinungsfreiheit nicht gestattet ist, dann schüttelt es sich bei mir. Das diese Rufe seitens dieser Gruppe schon mehr ihre Dummheit zum Ausdruck bringt, als ihren Verstand, bleibt da aussen vor.
    Nun will ich hoffen, dass künftig andere Sicherheitsmethoden erarbeitet werden können damit wir uns hier wieder über unsere geliebte und einzige Nebensache der Welt austauschen.

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