Endlich wieder Live-Fußball

03. Aug. 2009 | Ein Kommentar

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Wenn auf eines bei Felix Magath Verlass ist, dann das auf ihn kein Verlass ist. So zumindest muss es die versammelte Journalistenschar empfinden, vor allem wenn sie den boulevardesken Randbereichen entstammt. Denn was wurde vor dem ersten Pflichtspiel der Saison 2009/2010 in Köln gegen Germania Windeck nicht alles orakelt und als vermeintlich todsicher verkauft. Jefferson Farfán solle demnach die Saison als Spielmacher hinter den Spitzen beginnen, Levan Kobiashvili sei ein Gewinner der Vorbereitung und habe seinen Stammplatz nach unzähligen Testspielminuten sicher. Und Kevin Kuranyi drohe zum Start in die neue Spielzeit gar ein Platz auf der Bank. Das alles meinten die renommierten Berufsschreiber aus den Magath’schen Trainings- und Testspielvariationen herauszulesen. Am Ende kam es mal wieder ganz anders. Kuranyi spielte durch und wurde vom Trainermanagervorstand sogar noch ausdrücklich als Aktivposten gelobt. Zu Kobiashvili hingegen äußerte sich Felix Magath sehr direkt und sehr negativ. Die Mannschaft habe beim letzten Testspiel in Saarbrücken erhebliche Probleme auf der linken Abwehrseite gehabt, weshalb Handlungsbedarf bestand. Dass nun aus Magaths flapsiger Bemerkung, Jefferson Farfán habe sich beim abendlichen Biertrinken bei ihm mit einem grippalen Infekt krankgemeldet und drohe länger auszufallen, direkt das zerschnittene Tischtuch zwischen dem Peruaner und dem Aschaffenburger konstruiert wird, zeugt zumindest von einer gewissen Lern-Unlust der Journaille. Denn nach allem, was ich von Felix Magath in den letzten Wochen mitbekommen habe, würde es mich nicht wundern, wenn Farfán am Samstag in Nürnberg spielen und anschließend mit einem Sonderlob bedacht wird. OK, und nun genug zur 4:0-Pflichtaufgabe in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde. Bis auf eine TV-Zusammenfassung habe ich von der Partie ohnehin nichts mitbekommen, weil ich zur gleichen Zeit im alt ehrwürdigen Stadion an der Hammer Straße den Pokalfight des SC Preußen Münster gegen Hertha BSC Berlin in Augenschein nahm. Endlich wieder Live-Fußball – wurde aber auch Zeit.

18.200 Zuschauer in der mittlerweile teilsanierten Hütte (insbesondere die neue Haupttribüne macht einen schicken, mehr als viertligareifen Eindruck) sahen uninspirierte Herthaner, die sich gegen den Regionalligisten aus Münster viel schwerer taten, als es hätte sein dürfen. Dabei begann es für die Gäste zunächst richtig gut. In der 23. Minute zog Raffael einfach mal aus 20 Metern ab. Sein weder besonders harter noch überaus platzierter Schuss flutscht Preußen-Keeper Buchholz durch die Finger und trudelt ins Tor. Sicherheit gab diese Führung den Gästen aber kaum. Im Gegenteil fand der Viertligist im Anschluss besser ins Spiel und belohnte sich für sein mutiges Auftreten nach 53. Minuten. Eine hoch und weit getretene Freistoßflanke segelt über Freund und Feind hinweg durch den Strafraum. Berlins Ebert touchiert die Kugel noch minimal mit seiner rudimentär zu erahnenden Frisur, danach schlägt es jedoch im linken unteren Toreck ein. Berlins Keeper Drobny sieht in dieser Szene nicht gerade glücklich aus, ist am Ausgleich jedoch schuldlos. Zehn Minuten später hat Preußens Pollock sogar das 2:1 auf dem Fuß, scheitert nach feinem Alleingang aber in der 1:1-Situation an Drobny. Natürlich war Hertha danach wieder deutlich besser, doch als selbst größte Chancen von der Gastgeber-Hintermannschaft und dem nun wirklich überragenden Torhüter Buchholz vereitelt wurden, hatte sich der SCP die Verlängerung redlich verdient.

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Auch in der Extra-Spielzeit agiert der Regionalligist lange Zeit absolut auf Augenhöhe mit dem Bundesliga-Spitzenteam. Als sich dann bereits das gesamte Stadion auf ein Elfmeterschießen eingestellt hat, fällt – zumindest in dieser Phase wie aus heiterem Himmel – das 2:1. Eine missglückte Abseitsfalle führt dazu, dass Herthas Domovchiyski zwei Minuten vor dem Ende frei vor dem Preußen-Tor auftaucht und locker einschieben kann. Das Entsetzen auf den Rängen hatte sich noch nicht wieder verabschiedet, da klingelt es ein drittes Mal im Kasten der Adlerträger. Raffael nutzt eine Konterchance gegen aufgerückte Preußen und markiert den Endstand.

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Ein 3:1 ist ein mehr als beachtliches Ergebnis für den SC Preußen. Dennoch überwiegt auch heute noch in Münster der Kater. Denn wie bereits im Vorjahr gegen den VfL Bochum ist man auch diesmal nur haarscharf an der Sensation gegen einen Bundesligisten vorbeigeschrammt. Sollte es SCP-Trainer Roger Schmidt, der seit seinem Amtsantritt hier in Münster wirklich erstklassige Arbeit abliefert und längst zur Fleisch gewordenen Hoffnung für alle Grün-Weiß-Schwarzen geworden ist, gelingen, die Form vom Samstag in die neue Regionalliga-Spielzeit einfließen zu lassen, wird Preußen wieder ein Jahr im oberen Tabellendrittel spielen. Ob es jedoch für die lang ersehnte Rückkehr in die dritthöchste Spielklasse reichen wird, hängt auch davon ab, wie sehr die unzähligen Bundesliga-Zweitvertretungen den Wettbewerb in der Regionalliga-West wieder verzerren werden.

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Ein Kommentar zu “Endlich wieder Live-Fußball”

  1. das Karlchenam 3. August 2009 um 17:27 1

    Ja endlich wieder Fussball. Wurde auch wirklich Zeit.
    Mit Verwunderung habe ich heute in WDR2 gehört das sich der Rat der Muslime über unser schönes “Blau und Weiß” mokiert. Angeblich empfindet man die Strophe mit dem Propheten als Provokation. Nunja, ich denke dass ein altes Fußballlied von 1924 wohl eher eine Tradition als eine Provokation darstellt und sicherlich nicht unbedingt sofort in die Ecke der political correctnes zu norden ist. Aber wer sonst keine sorgen hat wird sicher noch mehr finden.
    Irgendwann werden die Veganer noch versuchen unsere Stadionwurst auf Tofu Basis zu bekommen……

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