Zweimal gepennt und zweimal bestraft

21. Sep. 2009 | 2 Kommentare

Ja, die Stimmung am Freitag auf Schalke war trotz der Niederlage wirklich gut. Aber so sollte es ja eigentlich immer sein und nachdem sich die professionell schreibenden Medien und die offizielle Vereinswebsite bereits umfassend und freudig über die endlich mal nicht mit Pfiffen belastete Atmosphäre ausgelassen haben, habe ich mich dazu entschlossen, auf diesen Umstand nicht weiter einzugehen. Dass die Stimmung gut war, lag nicht nur an der engagierten Leistung des Teams, sondern auch daran, dass die Erwartungshaltung auf den Rängen mittlerweile endlich da anzukommen scheint, wo der FC Schalke 04 in dieser Saison sportlich einzuordnen ist. Dass das so ist, ist der aktuellen und von Felix Magath für Schalker Verhältnisse erstaunlich offensiv dargestellten Finanzlage zu verdanken. Den Griff zu den Sternen erwartet derzeit niemand. Und so blieb er am Freitagabend denn auch aus, wenngleich ein besseres Ergebnis als eine 1:2-Niederlage gegen den wiedererstarkten deutschen Meister möglich und sicherlich sogar verdient gewesen wäre.

Vor dem Anpfiff wurde zunächst die längst übliche Frage, wen Magath denn heute aus dem Hut zaubert, beantwortet. Diesmal war es der 20-jährige Lukas Schmitz, der erst vor Wochenfrist beim Spiel in Köln in den Profikader berufen wurde, und gegen Wolfsburg seine ersten Bundesliga-Minuten absolvieren durfte – sogar von Beginn an! Damit verdrängte Schmitz mit Christoph Moritz ausgerechnet den Senkrechtstarter der letzten Wochen und auch Carlos Zambrano, der ebenfalls in den ersten Spielen der Saison gesetzt war, musste gegen Wolfsburg pausieren. Dafür durfte Rafinha wieder ran, der erst einen Tag zuvor nach zweiwöchigem Sonderurlaub wieder ins Training eingestiegen war. Im Mittelfeld erhielt wie vor einer Woche Levan Kobiashvili die Möglichkeit, sich in der Startelf zu präsentieren, im Angriff erhielt Gerald Asamoah wie bereits vor Tagen angekündigt seine Chance von Beginn an. Für Ivan Rakitic blieb hingegen erneut nur der Platz auf der Bank, weil Magath wieder auf Levan Kenia im kreativen Zentrum setzte.

Dass es gegen Wolfsburg kein Schalker Offensivfeuerwerk geben würde, war bereits vorher klar. Dass sich die junge und erneut umgestellte Defensiv-Abteilung aber gegen die an sich sehr offensivfreudigen Gäste so gut schlug, durfte auch nicht erwartet werden. Nur einmal wurde es im Schalker Strafraum in den ersten 45 Minuten brenzlig, als Grafite nach einer guten halben Stunde freistehend zum Schuss kam aber deutlich verzog. Schalker Chancen blieben ebenfalls Mangelware. Die beste Möglichkeit bot sich Rafinha nach 42 Minuten, als er zentral in den Strafraum eindrang, aus vielleicht 13 Metern abziehen wollte und von Josué umgeschubst wurde. Ein Elfmeter wäre hier fällig gewesen, Schiedsrichter Gräfe gab ihn aber nicht und bestärkt mich in der Annahme, dass Schalker Spieler wahrscheinlich erst rituell gevierteilt werden müssen, bevor ein Unparteiischer maximal einen indirekten Freistoß im Strafraum in Betracht zieht. Nach dem unglaublichen Foul an Farfán vor Wochenfrist in Köln war es jedenfalls schon der zweite klare Strafstoß, der Schalke in dieser jungen Saison verwehrt wurde.

In der zweiten Halbzeit wurde die intensiv geführte Partie etwas offensivfreudiger. Zunächst ist es Levan Kenia, der direkt nach dem Wiederanpfiff bei einem Konter das 1:0 auf dem Fuß hat, freistehend aus 10 Metern aber grausam verzieht. Kurz darauf klingelt es dennoch im Kasten, leider auf der falschen Seite. Wolfsburg hatte eine Ecke schnell ausgeführt und damit die Schalker Verteidigung, die eine Sekunde lang gepennt hatte, übertölpelt. Edin Dzeko konnte mutterseelenallein am Fünfmeterraum zum Kopfball hochsteigen und unbedrängt zum 0:1 einköpfen.

Schalke sah sich nun um den Lohn einer bis dahin guten Leistung gebracht und investierte seinerseits mehr in der Offensive. Die Einwechslungen von Kuranyi und Altintop taten ihr übriges hinzu, dass Schalke nun auf den Ausgleich drängte. Es dauerte aber bis zur 80. Minute, bis dieser endlich fallen wollte. Benedikt Höwedes verwertet einen Eckball von Levan Kenia mit dem Kopf und verwandelte die Arena in ein Tollhaus. Selten habe ich derart gelösten Torjubel in den letzten Monaten erlebt. Keine Frage: Das Schalker Remis war zu diesem Zeitpunkt hochverdient.

Dummerweise endet ein Spiel aber nicht nach 80 Minuten und noch während Dirk Oberschulte-Beckmann die frohe Kunde des Ausgleichs über das Stadionmikro verbreitete, führte Wolfsburg schon wieder. Vom Anstoßpunkt aus gelangte der Ball zum eingewechselten Hasebe, der auf der rechten Seite unbedrängt bis zur Grundlinie durchlaufen durfte und den Ball dann scharf in den Strafraum spielte. Dort schaut die gesamte Schalker Hintermannschaft zu, wie erneut Dzeko aus kurzer Distanz trifft. Zum zweiten Mal pennte die Mannschaft, zum zweiten Mal wurde dies postwendend bestraft. Allerdings meine ich vor der Flanke ein klares Stürmerfoul eines Wolfsburgers an Höwedes gesehen zu haben, das die Flanke überhaupt erst ermöglichte.

Schalke machte danach noch einmal gewaltigen Druck, doch trotz bester Chancen wollte der neuerliche Ausgleich nicht mehr fallen. Bei einem Kopfball von Kuranyi kurz vor dem Schluss und einer spektakulären wie kuriosen Rettungstat von VfL-Keeper Lenz könnte man erneut die Diskussionen um einen Chip im Ball ausgraben, muss man aber nicht zwingend, denn Kuranyi hätte die Kugel einfach nur aus kürzester Distanz ins Netz drücken müssen.

Und so bleib es am Ende bei der Heimniederlage – immerhin jetzt schon die fünfte in den letzten sechs Heimspielen. Bei aller Freude über die gute Stimmung auf Schalke auch nach dem Schlusspfiff bedarf diese Bilanz einer deutlichen Aufbesserung. Die nächste Möglichkeit dazu hat Schalke am 2. Oktober, wenn es – erneut an einem Freitag – gegen Eintracht Frankfurt geht.

Mehr zum Spiel schreibt der kicker. Bewegte Bilder gibt es wie immer auf www.bundesliga.de im Videoarchiv.

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2 Kommentare zu “Zweimal gepennt und zweimal bestraft”

  1. Beneam 21. September 2009 um 14:11 1

    Eine kleine Randnotiz zum Elfmeter, der auch meiner Einschätzung nach ohne Wenn und Aber hätte gepfiffen werden müssen:
    laut Kommentar der ARD-Sportschau vom Samstag – leider weiß ich gerade nicht, welcher Experte kommentierte – sei Rafinha „abgehoben“ und es wäre kein Elfmeter. Wenn man sich das Geschehen anschaut, sieht ein Blinder mit Krückstock, dass Rafinha geschubst wird und dann stürzt. Da er bei Letzterem vor dem Aufprall auf dem Rasen den Bodenkontakt verliert, kann man vielleicht sogar von „Abheben“ sprechen. Wenn man aber nicht mit einem Wort seines Kommentars den Grund des „Abhebens“ benennt und sogar den Versuch, einer Täuschung („Schwalbe“) ins Spiel bringt, frage ich mich sehr nach der Kompetenz des ARD-Sportreporters.
    Nicht nur am Trikot ziehen, sondern auch Spieler schubsen ist gemäß Regelwerk ein klares Foul. Passiert eines – oder beides – davon im Sechzehner, wird dies mit einem Strafstoß geahndet. Das sollten Schiedsrichter wissen, genauso wie Sportreporter. Beim Schiri kann noch die Entschuldigung einer Tatsachenentscheidung wenige Sekunden nach dem Foul für die Falschbewertung der Situation verfangen. Bei einem Fernsehbericht, der einen Tag später läuft, definitiv nicht. Nicht nur die Schiedrichter brauchen scheinbar „eine rituelle Vierteilung“, um Schalke einen Elfer zu zusprechen.
    Schade, Sportschau!

  2. Gilleam 21. September 2009 um 18:14 2

    sehr toll auch die aussage im zdf: „man sind eindeutig, dass Rafinha das Tempo herausnimmt um seinen Gegner auflaufen zu lassen und somit den Elfmeter zu provozieren“