Schalke gewinnt ein fast normales Spiel

22. Nov. 2009 | 3 Kommentare

Schalke Fanclub Monasteria
Als Felix Magath in der 90. Minute des samstäglichen Spiels gegen Hannover 96 den jungen Tschechen Jan Moravek heranwinkte, um ihn für Jefferson Farfán ins Spiel zu bringen, tat er es einzig und allein, um noch ein wenig an der Uhr zu drehen. Es war beileibe nicht so, dass Hannover auf den Ausgleich drängte, aber warum sollte man das Risiko eingehen, dass sich doch noch so etwas wie Spielfluss beim Gegner einstellt? Also gab es die übliche Schlussphasen-Wechsel-Folklore. 51 Sekunden später war es dann ausgerechnet Moravek, der den Sack auf Schalke zuschnürte. Ein langer Abschlag von Manuel Neuer landet bei Lukas Schmitz, der zieht von der Strafraumkante ab, 96er-Keeper Fromlowitz kann den Ball nur abprallen lassen, Moravek staubt ab. Und auch wenn Felix Magath unter Garantie etwas ganz anderes im Sinn hatte: Es passt einfach zu dieser Saison wie die Faust auf’s Auge. Kaum wird ein junger Spieler ins Feuer geworfen, macht er spektakulär auf sich aufmerksam. Wäre ich der Schalker Trainager, spielte ich den ganzen Tag lang nur noch Lotto.

Es war dann doch ein fast ganz normales Spiel gegen Hannover. Die bewegende Schweigeminute für Robert Enke (die – im Gegensatz zu vielen anderen – wirklich mindestens eine Minute dauerte) war kaum vorbei, da taten die Gäste den Knappen einen riesigen Gefallen: Sie begannen, mutig nach vorne zu spielen und setzten gleich nach dem Anpfiff zwei gefährliche Angriffe. Wer weiß, was passiert wäre, wenn Hannover lethargisch in die Partie gestartet wäre? Vielleicht hätte sich Schalke davon anstecken lassen. So aber wusste jeder Spieler in blau-weiß sofort: Heute wird Fußball gespielt!

In den ersten zehn Minuten war es dann auch eine recht flotte Begegnung. Hannovers Anfangselan wurde von Schalke direkt erwidert. Bereits nach zehn Minuten konnte Schalke drei Tormöglichkeiten für sich verbuchen – zwei durch Kuranyi und eine durch einen Weitschuss von Christoph Moritz. Danach gingen es beide Teams gemächlicher an. So gemächlich, dass einige strittige Abseitsentscheidungen des Schiedsrichtergespanns gegen Schalke noch als die Höhepunkte der restlichen 45 Minuten bezeichnet werden müssen. Torlos ging es in die Kabinen.

In der zweiten Halbzeit zog Schalke zwar merklich die Zügel an, zwingende Chancen blieben dennoch Mangelware. So musste eine Standardsituation herhalten, um das erlösende 1:0 zu erzielen. Nach 69 Minuten war es endlich so weit. Ecke Rafinha, Kopfball Farfán aus kürzester Distanz – 1:0! Erleichterung im Stadion. Nicht wenige hatten zu diesem Zeitpunkt längst ein torloses Remis befürchtet.

Mit der Führung im Rücken wurde es für Schalke einfacher. Direkt nach dem 1:0 muss Kevin Kuranyi das 2:0 erzielen, schießt aus spitzem Winkel jedoch frei vor Fromlowitz am Tor vorbei. Eine noch größere Möglichkeit lässt nur eine Minute später der eingewechselte Ivan Rakitic liegen. Er zieht aus 10 Metern freistehend ab, findet jedoch im 96er-Tormann seinen Meister.

Im Normalfall rächt sich eine derart lasche Chancenverwertung. Am Samstag nicht. Hannover konnte nicht mehr zulegen und ließ sich von Schalke kontrollieren. Farfán hat kurz vor seiner Auswechslung eine weitere Möglichkeit – doch auch er muss sich bei seinem 13-Meter-Schuss Florian Fromlowitz geschlagen geben. Tja, und dann kam es noch zur eingangs beschriebenen Szene mit den Hauptfiguren Neuer, Schmitz und Moravek.

Das 2:0 für Schalke geht unter dem Strich komplett in Ordnung. Dass es letztendlich nicht frenetisch gefeiert wurde und auch die Mannschaft nur sehr zögerlich (und scheinbar auch widerwillig) zur Ehrenrunde aufbrach, war der besonderen Situation geschuldet. Das Schalker Publikum hat fair reagiert. Es hat die eigene Mannschaft unterstützt, den Gegner aber “in Ruhe” gelassen. Für Hannover wird es in den nächsten Wochen noch einige solcher Spiele mit dieser eigenartigen Atmosphäre geben. Ich für meinen Teil bin froh, dass wir es hinter uns gebracht haben.

Übrigens: Das Spiel am Samstag war für mich die erste Möglichkeit, Schalkes neuen Jungspund Joel Matip über 90 Minuten lang zu beobachten. Und ich muss ehrlich sagen: Das was der Junge da unten auf dem Feld macht, hat Hand und Fuß! Aber wie sollte das auch anders sein. Er wurde ja auch von Magath entdeckt…

Mehr zum Spiel schreibt der kicker.

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3 Kommentare zu “Schalke gewinnt ein fast normales Spiel”

  1. wilboram 23. November 2009 um 10:42 1

    Matthes, der zutiefst im rheinischen verankerte Name heisst Schmitz!
    Wie die Katze ;-)

  2. matthiaßam 24. November 2009 um 00:46 2

    Es ist erstmals alles gesagt oder geschrieben,
    DANKE und GLÜCK AUF!

  3. tumulderam 25. November 2009 um 16:37 3

    Es ist schon wirklich komisch. Gerade wenn man in die alten Automatismen verfallen möchte, das Spiel abhaken möchte. Dann fällt das Tor für Schalke, und nicht nur das, es fällt sogar noch eins.

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