Señor Raúl und die Magie des Augenblicks

07. Nov. 2010 | Ein Kommentar

Es wäre zu einfach, wenn man Schalkes ersten Bundesliga-Heimsieg in dieser Saison allein daran festmachen würde, dass Raúl, wie von Felix Magath gefordert, gegen den FC St. Pauli ein wenig eigensinniger und vor allem offensiver agierte. Aber komplett falsch läge man mit dieser These nicht. Der Spanier gehört zweifelsohne zu den größten Spielern, die der Weltfußball hervorgebracht hat. Dass man ihn jemals in der Bundesliga sehen könnte, wäre vor gar nicht allzu langer Zeit noch als ein drolliges Hirngespinst abgetan worden. Nun spielt er in der Liga und das sogar auf Schalke! Doch die Magie, die seinen Namen umgibt, konnten wir Fans bislang noch nicht fühlen. Am Freitag blitze sie zum ersten Mal auf. Raúl war der überragende Mann eines Abends, der aus Schalker Sicht kaum besser laufen konnte. Drei Tore selbst geschossen, keines reinbekommen, endlich mal wieder gleich drei Punkte auf einmal und in der Tabelle zumindest vom direkten Abstiegsplatz gehüpft – die Erleichterung war nach dem Abpfiff mit den Händen zu greifen.

Natürlich war auch gegen den Aufsteiger nicht alles Gold. Obwohl Schalke in der ersten Halbzeit das Geschehen auf dem Feld diktierte und im Großen und Ganzen recht sicher stand, gestattete man den Gästen durch ein teilweise absurdes Abwehrverhalten einige gute Möglichkeiten. Mit etwas weniger Glück (bzw. etwas mehr Pech) hätte St. Pauli in der Schlussphase der ersten Halbzeit egalisieren können. Und mit etwas mehr Pech (bzw. etwas weniger Glück) gelingt Huntelaar kurz nach dem Wiederanpfiff nicht das vorentscheidende 2:0, das die Spannung zu weiten Teilen aus der Partie nimmt. Doch insgesamt war die Sieg hochverdient und die logische Folge einer Schalker Mannschaftsleistung, in der die Anzahl der Totalausfälle diesmal die Zahl derjenigen, die ihre Leistung ordentlich abrufen konnten, nicht überstieg.

Raúls Leistung überstrahlte gegen St. Pauli natürlich alles. Doch auch andere lieferten ihr persönlich bestes Spiel seit Wochen ab. Jefferson Farfán ist ohnehin jemand, der zuletzt immer wieder zeigte, dass er es noch kann. Am Freitagabend hatte er mit einem erfreulich starken Atsuto Uchida jedoch endlich einen Partner auf dem Spielfeld, mit dem er die rechte Außenbahn aufmischen konnte. Folgerichtig sind es Farfán und Uchida, die das 1:0 vorbereiten. An der scharfen Hereingabe des flinken Japaners rutscht Klaas-Jan Huntelaar noch vorbei, doch in dessen Rücken lauert Raúl und drückt den Ball aus fünf Metern über die Linie. Auch das 2:0 bereitet Farfán durch einen Eckstoß vor, der von Huntelaar nach fein einstudierter Variante per Kopf ins Tor bugsiert wird. Das 3:0 entsteht dann ausnahmsweise ohne direkte Beteiligung des Peruaners, dafür aber nach einem guten Einsatz des in letzter Zeit arg leidgeprüften Lukas Schmitz. Er wühlt sich gleich durch zwei Abwehrspieler hindurch in den Strafraum und serviert Raúl, der ohne große Mühe sein zweites Tor erzielen kann, den Ball mit etwas Glück auf dem Silbertablett. Ausgerechnet Schmitz, ausgerechnet Uchida, ausgerechnet die beiden, die in den letzten Wochen (mit Recht) für einen Großteil des Schalker Schlamassels verantwortlich gemacht wurden bereiten zwei von drei Toren vor – wunderbar!

Für Euphorie ist kein Anlass gegeben. Für Erleichterung schon. Und vielleicht sogar für einen kleinen optimistischen Ausblick. Denn das Spiel gegen St. Pauli hat gezeigt, dass Schalke durchaus variabel spielen kann und für den Gegner nicht ganz so leicht auszurechnen ist, wie es bislang den Anschein hatte. In Wolfsburg wird es dennoch ein ganz anderes Spiel, an dem sich dann hoffentlich auch wieder Jurado konstruktiv beteiligen wird. Denn das, was der spanische Spielmacher am Freitag präsentierte, passte so gar nicht in das positive Gesamtbild.

Mehr zum Spiel schreibt der “kicker“. Das Internetangebot der WAZ-Gruppe widmet dem “MotM” einen eigenenen Artikel: “Raúls schönster Tag auf Schalke”. Und dann möchte ich es nicht versäumen, auf Tobitatzes Bericht bei Blogundweiss.de hinzuweisen, in dem er ein schönes Video zum sicherlich emotionalsten Moment des Abends gepostet hat.

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Ein Kommentar zu “Señor Raúl und die Magie des Augenblicks”

  1. Carlitoam 7. November 2010 um 20:03 1

    Ja, es war (endlich mal wieder) ein schöner Abend in unserer Donnerhalle… ;-)

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