Heute keine Hupen

29. Mrz. 2011 | 2 Kommentare

Du durchtrainierter Sportstudent, der du im vergangenen Sommer mehr Zeit mit nacktem Oberkörper verbracht hast, als in dein nagelneues DFB-Trikot gehüllt. Du blondes „Whoooooaaa!“-Teilchen, als das ich dich tituliere, weil du im vergangenen Sommer nichts anderes von dir gegeben hast, als ein lang gezogen gekreischtes „Whoooooaaa!“ Du 19-jähriger Nachwuchs-Vollproll, der du nach jedem deutschen Sieg im 15 Jahre alten 3er-Cabrio die Leistung deutscher Hupenbaukunst demonstriert hast. Wo seid ihr drei denn eigentlich heute? Und wo sind alle anderen? In Mönchengladbach offensichtlich nicht. Denn irgendwie ist aus dem Thema Nationalmannschaft derzeit mal wieder die Luft raus.

Klar, ein Turnier – ein erfolgreich verlaufendes obendrein – ist schon etwas anderes, als ein dröges Testländerspiel gegen Australien, bei dem nur eine deutsche 1c-Elf auflaufen wird. Dennoch ist die Diskrepanz zwischen den diversen Sommermärchen der letzten Jahre und den Phasen zwischen den Turnieren schon eklatant. Wenn um 20.45 Uhr in Mönchengladbach angepfiffen wird, hofft Co-Nationaltrainer Hansi Flick auf 30.000 Zuschauer und rechnet vor, dass sich viele Nationen über einen derartigen Zuspruch freuen würden. Es ist nicht allzu lange her, da kamen knapp 30.000 Fans in die Düsseldorfer Arena, um die Nationalmannschaft beim öffentlichen Training zu sehen.

Der DFB macht den Spielkalender nicht. Er ist gezwungen, auf das von der FIFA und der UEFA vorgegebene Grundgerüst zurückzugreifen. Internationaler Rahmenspielplan nennt sich so etwas und führt dazu, dass die deutsche Nationalmannschaft innerhalb von vier Tagen das Vergnügen mit dem 132. und dem 21. der FIFA-Weltrangliste hat – wobei Rang 21 für die Australier arg geschmeichelt ist. Das eine war ein Pflichtspiel – OK! Das andere wird Ringelpiez mit Anfassen – auch OK?

Nahezu die halbe Bundesliga steckt noch im Abstiegskampf. Nahezu die ganze andere Hälfte strebt nach internationalen Weihen. Einzig Hoffenheim und Freiburg könnten die Saison locker austrudeln lassen. Im 19-köpfigen DFB-Kader zum heutigen Spiel finden sich jedoch keine Spieler aus Hoffenheim oder Freiburg.

Bei allem Verständnis für die wirtschaftlichen Interessen des DFB, dessen Haupteinnahmequelle die Nationalmannschaft ist, und dem Wunsch des Bundestrainers, möglichst oft mit seinen „Jungs“ zusammenzuhocken, muss man sich die Frage stellen, wer solche Länderspielunterbrechungen braucht. Der DFB hätte Größe beweisen und auf den nicht mit einem Pflichtspiel belegten Termin zugunsten der Bundesligateams und eines geregelten Trainingsbetriebes verzichten können. Er hat es unter anderem auch deshalb nicht getan, weil die anderen Nationalverbände, deren Spieler ebenfalls in der Bundesliga tätig sind, es auch nicht tun.

Mich erinnert das an die hanebüchenen Argumente der Atomlobby, die anführt, dass ein deutscher Alleingang angesichts der Meiler im benachbarten Ausland sinnlos wäre. Auch wenn dieser Vergleich natürlich gewaltig hinkt.

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Foto: schnaidt68@flickr

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2 Kommentare zu “Heute keine Hupen”

  1. mattesam 29. März 2011 um 10:26 1

    Zumindest haben wir es dem Spielplan der EU-Quali zu verdanken, dass die Nationalmannschaft heute abend nicht in Eriwan gegen Aserbeidschan spielt, sondern mit der C-Auswahl aus Lüdenscheid-Nord zu einem lockeren Aufgalopp antritt.

    Nachvollziehen kann ich auch den zu erwartenden Zuschauerboykott: Ich habe in den vergangenen Jahren neben tollen Spielen der Nationalmannschaft in der Qualifikation auch so manches Freundschaftsspiel im Stadion gesehen und mir seither geschworen, mir dies nicht mehr anzutun: Überteuerte Tickets, lustloses Auslaufen und ‘ne Stimmung wie auf dem Berliner Zentralfriedhof!

    Da freu ich mich doch lieber auf ein stimmungsgeladenes Heimspiel gegen Wolfsburg in zwei Wochen und mach mir heute einen gemütlichen Abend – vielleicht zappe ich ja mal beim Spiel rein…

  2. matzewepunktam 29. März 2011 um 15:08 2

    Leider muss auch die Nati11 mal die Gelegenheit haben zu testen. Immer nur die Punktspiele geht halt nicht. Was der DFB aber machen sollte bei Freundschaftsspielen ist eine erhebliche Preissenkung, angemessen am zu erwarteneden Niveau des Spiels. Dann braucht hinterher auch keiner meckern…… Ich verstehe aber auch den Löw, der auch mal Spiele braucht, in denen der zweite Anzug, auch aus Lüdenscheid-Nord meinetwegen Neues ausprobiert. Hupen braucht da keiner.

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