The Beautiful South

19. Mai. 2011 | 2 Kommentare

Die Liste der Titel des FC Schalke 04 – zumindest derer, die man im Briefkopf erwähnt – umfasst bislang zwölf Einträge. Darunter befinden sich sieben Meisterschaften (1934, 1935, 1937, 1939, 1940, 1942 und 1958), vier Pokalsiege (1937, 1972, 2001 und 2002) und natürlich der UEFA-Cup-Sieg von 1997. OK, das ist jetzt wirklich nichts, womit man auf einem Schalker Stehempfang den Experten raushängen lassen kann; das ist „Schalke-Grundwissen“. Wenn ich jetzt jedoch fragen würde, wie viele Trainer auf Schalke für diese Titel verantwortlich waren: wie lautete dann deine spontane Antwort?

Exakt fünf Übungsleiter teilen sich die Triumphe des FC Schalke 04. Und alle haben etwas mit Ralf Rangnick gemeinsam.
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  • Hans „Bumbes“ Schmidt (3 x Meister, 1 x Pokalsieger)

Hans Schmidt kam im Sommer 1933 als Trainer zum FC Schalke 04. Als Spieler hatte der gebürtige Fürther bereits vier Meisterschaften errungen. Eine im Jahr 1914 mit der SpVgg Fürth, die weiteren in den Jahren 1924, 1925 und 1927 mit dem 1. FC Nürnberg. Unter dem knorrigen Disziplinfanatiker begann Schalke zu „kreiseln“. Schmidts Erfolge: Die Meisterschaften der Jahre 1934, 1935 und 1937 sowie der Pokalsieg der Saison 1937 (allerdings fand das Finale erst im Januar 1938 statt). Im Sommer 1938 endete seine Trainerlaufbahn auf Schalke nach fünf extrem erfolgreichen Jahren. Neben dem sehr umfangreichen Wikipedia-Artikel verweise auch auf diesen Beitrag auf anpfiff.info.
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  • Otto Faist (3 x Meister)

Otto Faist, Schmidts direkter Nachfolger, übernahm eine perfekte Mannschaft. Auch der Karlsruher konnte vor seinem Engagement auf Schalke einen Meistertitel vorweisen – den des Sprint-Staffelmeisters 1926. Richtig gelesen – Faist war von Hause Leichtathlet und kam erst als Seiteneinsteiger zum Fußball. Seine Trainerstationen vor Schalke waren u.a. Arminia Bielefeld und Rot-Weiß Oberhausen, mit mäßigem Erfolg. Heutzutage würde man sich über einen Trainer mit dieser Vita lustig machen, damals drückte man ihm das beste deutsche Fußballteam in die Hand und feierte die Meisterschaften der Jahre 1939, 1940 und 1942 in einer Zeit, in der es allgemein nichts zu feiern gab. 1942 wurde der Erfolgstrainer in die Wehrmacht einberufen, seine Spuren verlaufen sich in den letzten Monaten des Krieges. Ob er an der Ostfront gefallen oder in russischer Kriegsgefangenenschaft gestorben ist, ist ungeklärt.
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  • Edi Frühwirth (1 x Meister)

Den bislang letzten Meistertitel für den FC Schalke 04 holte der in Wien geborene Österreicher Edi Frühwirth. Frühwirth galt – ganz anders als Hans Schmidt – nicht als Schleifer, sondern als ein Feingeist seiner Zunft. In seiner Schalker Zeit, die von 1954 bis 1959 reichte, kultivierte er das Kabinen-Einzelgespräch mit Spielern – eine damals noch ungewöhnliche Maßnahme. So herzlich er sich selbst gab, so wenig herzlich wurde er im Jahr nach dem Meistertitel vom Hof gejagt. Ernst Kuzorra soll als graue Eminenz Frühwirths Entlassung mit den Worten „Wir haben lang genug Wiener Schnitzel gefressen“ besiegelt haben.
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  • Ivica Horvat (1 x Pokalsieger)

Auch der vierte Trainer, der mit Schalke einen Titel feiern konnte, stammt aus südlichen Gefilden: Ivica Horvat, geboren im (heute) kroatischen Sisak, formte Anfang der 70er Jahre ein Team, dem zugetraut wurde, auf Jahre hinweg in der Spitze des deutschen Fußballs mitzumischen. Spieler wie Norbert Nigbur, Klaus Fischer, die Kremers-Zwillinge, Reinhard Libuda, Klaus Scheer, Herbert Lütkebohmert oder Rolf Rüssmann hätten unter sportlichen Gesichtspunkten sicherlich das Potenzial besessen, den einen oder anderen weiteren Titel nach Gelesenkirchen zu holen. Das 5:0 im Pokalfinale 1972 gegen den 1. FC Kaiserslautern sollte da eigentlich nur ein kleiner Vorgeschmack sein. War es aber nicht – es war im Gegenteil sogar der Höhepunkt. Denn durch die sportgerichtliche Aufarbeitung des Bundesligaskandals von 1971 zerbrach das Team.
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  • Huub Stevens (1 x UEFA-Cup-Sieger, 2 x Pokalsieger)

Als Huub Stevens im Mai 2002 den DFB-Pokal in den Himmel von Berlin reckte, hatte er etwas erreicht, was ihm niemand mehr zugetraut hatte. Da er im Winter bereits seinen Abschied zum Saisonende bekannt gegeben hatte, geiferte die Presse auf jede Schalker Liga-Niederlage und wollte den mittlerweile auch vielen Fans unbequem gewordenen „Huuuub“ vorzeitig aus dem Amt schreiben. Stevens blieb bis zum letzten Tag seines Vertrages und beendet seine Zeit auf Schalke so, wie er sie begonnen hatte – mit einem Titel. Und natürlich setzte Huub Stevens eine Schalker Tradition fort: Titel gewinnen in hier nur Trainer aus dem „Süden“, denn Stevens‘ Geburtsort Sittard liegt ein paar Kilometer näher am Äquator als Gelsenkirchen.

In zwei Tagen greift Ralf Rangnick nach seinem ersten Titel – nicht nur mit Schalke, sondern überhaupt! Als gebürtiger Schwabe erfüllt er die Grundvoraussetzung der südlicheren Abstammung. Die Abstammung allein garantiert jedoch keinen Titel, wie Ralf Rangnick aus dem Finale des Jahres 2005 noch wissen dürfte.

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Foto: rvaphotodude

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2 Kommentare zu “The Beautiful South”

  1. The Voiceam 19. Mai 2011 um 07:47 1

    Deine Eingangsfrage, wie viele Trainer für die Titel verantwortlich waren, müßte man meiner Meinung nach aber mit sechs beantworten. Denn dann gehört wohl auch Jörg Berger noch dazu, der in der ersten Runde des UEFA-Cups 96/97 noch auf der Schalker Bank saß.
    Sollte es übermorgen klappen, kämen dann auch zwei Trainer dazu. Ebenso dürften sich Jermaine Jones und Ivan Rakitic dann DFB-Pokal-Sieger 2011 nennen.

  2. Matthiasam 19. Mai 2011 um 08:56 2

    Hast ja recht, aber ich wollte nur die Trainer aufzählen, die beim jeweiligen Finale auf der Bank saßen.

    Beim Tschammer-Pokalfinale des Jahres 1937 (bzw. Januar 1938) gibt es übrigens allenhalten unterschiedliche Angaben. Wikipedia und weitere Webseiten behaupten z.B., dass bereits Otto Faist auf der Bank saß. In anderen Webseiten habe ich noch einen dritten, mir völlig unbekannten Namen gefunden. Nach Analyse der tasächlichen Beschäftigungszeiten, bin ich mir sicher, dass es noch Schmidt gewesen sein muss, der den ersten Pokaltitel mit Schalke holte. Wenn jemand etwas anderes weiß: Nur zu!