Einfach mal so: Joel Matip

21. Sep. 2011 | 16 Kommentare

Heute vor 681 Tagen feierte Joel Matip sein Bundesligadebüt. Aus dem Nichts tauchte der damals 18-jährige Schlacks mit den Storchenbeinen auf, als drittes Kaninchen aus Felix Magaths Zauberzylinder, dem zuvor schon Lukas Schmitz und Christoph Moritz entschlüpft waren. Schmitz hat Schalke in diesem Sommer den Rücken gekehrt, Moritz erlebte nach einer starken Debütsaison ein – auch verletzungsbedingtes – Seuchenjahr. Joel Matip spielte indes 52 Mal in der Bundesliga, elf Mal in der Champions-League, sieben Mal im DFB-Pokal und drei Mal in der Europa-League(-Qualifikation). Sieben A-Länderspiele für Kamerun kamen überdies hinzu. Das macht unter dem Strich 80 Spiele in nicht ganz zwei Jahren auf höchstmöglichem Niveau. In dieser Saison stand er bei bislang allen Pflichtspielen in der Schalker Startelf und spielte mit Ausnahme des Ligaspiels in Stuttgart (ausgewechselt in der Halbzeit) alle Partien auch durch. Joel Matip ist seit knapp eineinhalb Monaten 20 Jahre jung. Sein Geburtsort Bochum grenzt an Gelsenkirchen. Seinen Schulabschluss baute er an der Gesamtschule Berger Feld. Skandale sind von ihm nicht bekannt. Auch abseits der sportlichen Vita erfüllt er somit sämtliche Voraussetzungen, um ein unangefochtener Publikumsliebling zu sein. Ist er aber nicht. Stattdessen ist er einer der am meisten benörgelten Spieler auf Schalke. Ich finde das zum Kotzen!

Joel Matip ist mehr als nur ein Schalker Talent. Er ist ein Talent, das seine herausragende Eignung nun schon seit 681 Tagen fortwährend unter Beweis stellt. Dass er in diesen 681 Tagen nicht nur die Sonnenseiten des Profifußballs kennengelernt hat und sich auch aus der einen oder anderen kleinen Leistungskrise erfolgreich herausgekämpft hat zeigt, wie weit Matip in seiner Entwicklung schon ist.

Mir gefällt Joel Matips Spiel vor allem deshalb, weil er kein Holzer ist. Er versucht mit seinen langen Beinen die feine Klinge zu führen und grätscht nur dann, wenn es wirklich sein muss. Matips Waffen sind das Stellungsspiel, das Überraschungsmoment und seine Hartnäckigkeit. Erobert er mit diesen Waffen den Ball – was häufiger vorkommt, als es mancher wahrhaben will – denkt er sofort offensiv und sucht das direkte Zuspiel auf einen Mitspieler. Langes Ballhalten, unmotivierte Läufe mit Ball oder gar Rückpässe sieht man bei Matip sehr selten. Diese mentale Schnelligkeit lässt ihn eine Sonderstellung im Schalker Defensivverbund einnehmen. Und außerdem wirkt er so geradezu elegant.

Unbestritten resultieren aus Matips Spielweise auch Ballverluste. Doch fast immer gelingt es ihm, dem verlorenen Ball erfolgreich nachzugehen und den Balleroberer seinerseits unter Druck zu setzen. Es kommt nicht oft vor, dass ein Ballverlust von Matip direkt zu einer großen Chance für den Gegner führt. Bei anderen Spielern, die auf seiner Position eingesetzt wurden, ist das anders. Diese Behauptung kann ich freilich nicht mit Daten belegen. Sie ist eher ein subjektives Gefühl. Aber es würde mich wundern, wenn ich mich da täuschen sollte.

Seit einigen Partien spielt Joel Matip nicht mehr im Mittelfeld, sondern als Partner von Benedikt Höwedes in der Innenverteidigung. Dort hat er nicht nur den (lange verletzten) Christoph Metzelder verdrängt, sondern mit Kyriakos Papadopoulos auch den großen Hoffnungsträger für diese Position. Einmal mehr hat Matip sich durchgesetzt, hat einfach mal so Leistung gezeigt. Das imponiert mir.

Es freut mich, dass sich seit wenigen Wochen die Stimmung in Bezug auf Joel Matip zum Positiven wandelt. Selbst seine schärfsten Kritiker – sei es in der Fankurve oder in den Fanforen – beginnen zu erkennen, dass er mehr ist, als der ungelenke Schlacks mit den Storchenbeinen. Im allgemeinen Gerede über Schalkes junge Mannschaft spielt Matip dennoch eine Nebenrolle im Schatten von Lewis Holtby, Julian Draxler, Kyriakos Papadopoulos (und neuerdings sogar Teemu Pukki). Ein größeres Kompliment kann man ihm nicht machen. Denn während die vorgenannten Akteure (Pukki natürlich ausgenommen) in ihren Leistungen noch zu oft „zwischen Weltklasse und Kreisklasse“ pendeln, spult Matip sein Programm nüchtern und unaufgeregt herunter. Trotz seiner erst 681 Tage im Profigeschäft wird Joel Matip nicht mehr als „junger Spieler“ wahrgenommen, sondern beinahe schon als ein alter Hase. Angesichts seiner 20 Lenze wünschte ich mir, Schalke hätte mehr „alte Hasen“ wie ihn.

Sein aktueller Kontrakt endet am 30. Juni 2013. Wäre ich Horst Heldt, würde ich diesbezüglich das Gespräch mit dem Spieler suchen.

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16 Kommentare zu “Einfach mal so: Joel Matip”

  1. Christianam 21. September 2011 um 07:33 1

    Paßt vielleicht nicht ganz hierhin, aber Joel Matip war für mich
    der letzte und entscheidende Grund das FB Forum die
    “Schalker Knappen” zu verlassen. Gerade jetzt wurde dort über
    seine Spielweise diskutiert und zwar like:
    - der kann nichts
    - Matip aus
    - ich kann den nicht mehr sehen
    Als ich dann versuchte die, nennen wir es mal Diskussion in
    eine andere Bahn zu lenken, indem ich auf die guten Leistungen
    der letzten Spiele hinwies, kam das ultimative Anti Argument:
    “wir haben verloren also waren alle Scheiße”
    Das war dann der Zeitpunkt wo ich wieder einmal realisierte,
    das in der Schalker Familie nicht nur nette und kluge
    Menschen zu Hause sind.
    Das ist dann Spielermobbing in Reinkultur und ich frage mich
    ob das immer nur einen sportlichen Background hat, oder ob
    andere persönliche Vorstellungen hier eine Rolle spielen.

  2. Henningam 21. September 2011 um 09:00 2

    Schöner Artikel. Torsten hatte im Königsblog ja auch schonmal darauf hingewiesen, dass zB die königsblaue Vorgeschichte Mtip in der öffentlichen Wahrnehmung keinen Bonus gebracht hat, anders als beim ehemaligen Torhüterangestellten, Höwedes und Draxler.

    Ich denke es ist offensichtlich, dass Matip nach einem schwachen 2. Jahr (soviel muss man zugeben, wobei ja die ganze Mannschaft schwach war) in dieser Saison bisher eine der wenigen Konstanten des Teams war. Ich denke auch, man sollte über eine Ausweitung des Vertrags nachdenken. Für so einen Spieler, wenn man sich seine Daten anschaut, zahlt man Minimum 5 Millionen Ablöse, wenn man ihn von woanders holt. Nur im eigenen Lande ist der Prophet bekanntlich nichts wert. Krasser Gegensatz in der Öffentlichkeit dazu Farfan, der in den letzten 3 Spielen zwar gezeigt hat, warum für ihn die ganz großen Vereine nicht erreichbar sein werden, dessen Vergötterung das aber keinen Abbruch tut.

  3. Andresam 21. September 2011 um 09:57 3

    ja, ich hab’s auch mit Freude bemerkt, dass Matip inzwischen immer häufiger positiv wahrgenommen wird. wurde auch Zeit.
    Elegent würde ich ihn zwar nicht nennen, aber das ist fast schon wieder ein taktischer Vorteil. Man traut ihm bei seiner Schlacksigkeit die Beweglichlkeit manchamal nicht zu mit der er dann überrascht.

  4. Supercliveam 21. September 2011 um 11:18 4

    Gerade beim Spiel gegen WOB ist er mir positiv aufgefallen und war für mich der stärkste Schalker und auch gegen Bayern war mir die ein oder andere gute Aktion von ihm im Gedächtnis geblieben. Daher sehe ich seine Entwicklung im Moment auch sehr positiv und sehe keine Veranlassung Metze wieder ins Team zu holen. Verantwortlich dafür sehe ich, dass Matip auf der IV Position spielt und nicht unmittelbar für den Spielaufbau verantwortlich ist. Dabei empfinde ich sein Spiel häufig als “glücklos” oder, a la Bordon, wird schon mal lang Holz und auf gut Glück nach vorne gespielt. Ich glaube, gerade dieses Gefühl, erst sich über den gewonnenen Zweikampf und Ballgewinn freuen und dann diesen wieder leichtfertig herschenken, ist es, was ihm die Symphatien auf den Rängen gekostet hat. Und wenn das Stadion erstmal unruhig wird, dann spielt es sich mit voller Hose auch nicht leichter.

  5. Ossiam 21. September 2011 um 13:42 5

    Danke für diesen Beitrag! Ähnliches kenne ich aus unserem Block. Die Dauernörgler sind mittlerweile zwar nur noch Nörgler, trotzdem wird immer noch 90 Minuten auf einen Fehler gewartet. Es nervt!

  6. Vettelheimam 21. September 2011 um 17:34 6

    Er ist absolut zu Recht auf Schalke einer der Jungs, die am meisten in der Kritik stehen. Weil er einfach kein guter Fussballer ist. Auf der jetzigen IV-Position, mag das ja nicht allzuschlimm zu sein. Aber auf der 6-er Position, war der Junge total fehl am Platz. In der Defensivbewegung mag er ein paar gute Spiele gemacht zu haben, aber so wie es um das schnelle Umschalten nach vorne geht, hapert es bei ihm an allem, was ein BL-Profi ausmacht. Technische Defizite bestimmen sein Spiel.

  7. Marcoam 21. September 2011 um 17:51 7

    Matip spiel in der IV herausragend. Auf der sechs ist er allerdings auf verlorenem Posten.

  8. holzboy 04am 21. September 2011 um 18:00 8

    Sehr geehrter Vettelheim und so einer spielt Bundesliga .ER SPIELT!,und ist auf einem guten Wege.In der Innvert. sowieso ,frag mal Metzelder.Der Kerl ist jung genauso wie Papa,Draxler ,Höger,Holtby,Fährmann , das wird schon.Nur diese verkorkste WM in einer chaoten Manschaft hatte ihn etwas der Bahn geworfen,das kam zu früh

  9. Ollie04am 21. September 2011 um 18:01 9

    Danke für diesen Artikel. Auch mir geht es so, kann diese Einschätzung nur teilen. Ich war Moderator in einem Forum, wo es entweder um “Feindbilder” ging, die im Nachhinein jedoch wieder vergöttert wurden (Kuranji, Poulsen usw.) oder um die leidige hirnlose Diskussion was ein “Guter-Schalker oder Schlechter-Schalker” ist. Alles komplett eingefahrene verbohrte Mechanismen in den Köpfen. Für mein Dafürhalten sind auch pure Dummheit und Naivität federführende Triebfedern.
    Mal angenommen, wir könnten Matip auf den Olymp des Kultes heben (vielleicht als der kleine schlacksige Bruder von Chuck Norris), dann tut mir jetzt bereits derjenige leid, welcher dann im Fokus des Fans steht.
    Ich bin ein stolzer Schalker, der sich aber immer wieder für solche Mit-Fans schämt. Ganz nach dem Motto: Nicht schlau, aber laut!
    Gruß, Ollie04

  10. Altobelliam 21. September 2011 um 21:25 10

    Joel Matip hat ein Problem: Er ist (sehr) groß und ist stolzer Besitzer eines Paars von “Storchenbeinen” – in etwa entspricht er also dem Bauplan von Rene Eijkelkamp.
    Einige Fans deuten diese körperlichen Voraussetzungen aber ohne darüber nachzudenken dergestalt, als sei er schlaksig und zu lässig.
    Schade, dass diese Fans nicht begreifen, das die biologischen Hebel eines Jefferson Farfan anders wirken müssen, als die eines 20-jährigen, der an den 2 Metern kratzen.

    Für mich ist Joel ein stiller Held und es hat mich zum Beispiel besonders gefreut als er in Mailand und Mainz unser Team wieder ins Rennen gebracht hat.

  11. Julianam 21. September 2011 um 22:55 11

    Ich finde Matip auch in der IV besser aufgehoben.
    Den Tausch mit Papadopoulos finde ich immer noch beeindruckend und genial.
    Papa kommt dort mMn. auch viel besser zurecht, weil er dort einfach mal dazwischen holzen kann. Das passt einfach zu seinem Typ. Genauso wie die IV Position zu Matip passt. Ich stimme dir komplett zu, dass er das Stellungsspiel und auch das Kopfball gut drauf hat.
    Was ich glaube ist, dass er auf der 6er verloren war. Für die 6er muss man entweder wie Papa sein defensiv arbeiten und auch mal jmd umhauen, oder wie Lewis den Ball intelligent, sicher und schnell nach vorne verteilen. Matip ist einfach auch aufgrund der Größe nicht der schnellste und technisch, hast du ja auch schon geschrieben, denkt der Kopf oft gut, nur der Körper kann es nicht so gut umsetzen.

    Finde die es insgesamt sehr gut wie es zur Zeit ist, ausser, dass, meiner Beobachtung nach, viele Schiedsrichter Papa mittlerweile seeehr schnell Gelb zeigen, wegen seines Rufes..

  12. hellwacham 21. September 2011 um 23:33 12

    Matthias, es passt alles, einschließlich der Gefühlslage, die sich einstellt, wenn der Junge mal wieder benörgelt (oder gar ausgepfiffen, was wir auch schon hatten) wird.

  13. leeniam 22. September 2011 um 00:56 13

    Das hatte ich so noch gar nicht mitbekommen, dass Matip oft derart kritisch gesehen wurde. Ich fand ihn immer schon extrem hoffnungsvoll. Zu den genannten Vorzügen kommt, dass er etwas in der Birne hat. Und das ist auch beim Fußball ein ordentlicher Vorteil.
    Hätte ich Fußball-Manager-computerspielmäßig extra Fähigkeitspunkte zu verteilen, würde ich sie Matip bei “Technik” geben.
    Zur Thema Vertragsverlängerung kann ich nur sagen: Bitte hurtig!

  14. Timoam 17. Oktober 2011 um 00:23 14

    Du sprichst mir aus der Seele. Danke für diesen Kommentar.

    Habe in den letzten Wochen ein großes Video mit typischen, guten Szenen von Joel Matip erstellt.

  15. Peter Klausam 10. November 2013 um 15:31 15

    Warum sieht man bei Joel alles durch eine rosarote Brille?
    Was bitte gefällt den so?
    Seine Sololäufe die nichts einbringen? Sein hin und her Geschiebe über 20 Meter? Seine Bälle die als Pässe so press sind das Mitspieler sie nur selten verarbeiten können?
    Würde er so wie Papadoupolos mal öfter grätschen, dann hätten wir nicht so viele Gegentore, aber im endscheidenen Augenblick läuft er ja vom Gegner weg anstatt ihn zu stellen.
    Also die Spiele die er gut gespielt hat waren gegen Düsseldorf und letztes Jahr gegen Mainz, dass schlimmste war das Heimspiel gegen Galatasaray, als er nicht schnell genug zurück kam, er hätte den Spieler von Gala im Vollsprint stellen können, anstelle es Benny zu überlassen und beim Freistosstor bringt er lieber seinen Hintern in Sicherheit anstatt stehen zu bleiben.
    Das hat uns Millionen gekostet!
    Ne, also Matip bitte nicht verlängern.

  16. Chris Mattneram 6. Januar 2015 um 15:10 16

    Leider kann ich einigen hier nicht recht geben in Punkto Joel Matip.
    Es sind nicht das Aufbauspiel was bemängelt wird, es ist das antizipieren gewisser Situationen. Entweder er läuft nicht hinterher, oder zu langsam (erinnere an das Istanbulspiel, wo Benni hinter Hakan hergelaufen und Joel den kürzeren Weg hatte)
    grätscht nicht, oder verschätzt sich beim Kopfball.
    Und erst heute habe ich gesehen er ist nicht mehr in der Rangliste des Kickers dabei. Also ich denke er hat noch Zeit sich zu entwickeln mit seinen 22 Jahren und wenn er die angesprochenen Fehler abstellen kann, dann wird er auch ein großer.
    Chris

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