Ciprian Marica

25. Jan. 2012 | 7 Kommentare

Ciprian Andrei Marica hat auf Schalke keinen guten Stand. Als er am Samstag beim Stand von 2:0 gegen Stuttgart für den bis dahin recht überzeugenden Chinedu Obasi eingewechselt wurde, gab es nicht wenige, die lieber Teemu Pukki gesehen hätten. Ich übrigens auch. Ob’s der Schaufenster-Effekt oder die Einwechslung dem Gegner geschuldet war, ist eine Frage, die man je nach persönlicher Ausrichtung sicherlich so oder so beantworten kann. Wahrscheinlich ist an beiden Thesen etwas dran.

Die Verpflichtung des ablösefreien Stürmers war bislang alles andere als ein glücklicher Griff. Wenn er von Beginn an spielte – was lediglich in Europa-League-Spielen vorkam – wusste er nicht zu überzeugen. Wurde er eingewechselt – was in der Bundesliga zwölf Mal geschah – konnte er keine Akzente setzen. Am Samstag war er lediglich Steigbügelhalter bei Draxlers Zaubertor, weil Raúl den von Marica angebotenen Doppelpass dankend ablehnte und stattdessen den zentral postierten Huntelaar bediente. Schaut man sich Maricas Laufweg an, der nach der schnellen Ballabgabe auf Raúl den – absolut richtigen – Gang in Richtung Eckfahne antritt, um Stuttgarts Abwehr aus dem Rücken zu knacken, hat die folgende Ballstafette schon fast etwas von „nicht mitspielen lassen“. Der Erfolg gab Raúl natürlich recht.

Als die Presse selbst gestern noch Schalkes „Tiki-Taka“-Tor abfeierte, stand Marica auch dabei abseits des Geschehens. Allgemein wird sein Nutzen irgendwo zwischen einem Kühlakku am Nordpol und einem Regencape in der Atacama eingeordnet. Wäre Teemu Pukki in der Europa-League spielberechtigt, müsste man zwingend davon ausgehen, dass Marica Schalkes Verkaufs-, bzw. Verleihkandidat Nummer 1 ist. Allein der internationale Wettbewerb verschafft ihm noch eine sportliche Daseinsberechtigung. Ob das ausreichen wird, um sich bis Mitte Mai eine Position zu erarbeiten, die ihm auch in der nächsten Saison einen Platz im 16er-Kader garantiert, muss man abwarten. Große Wetten würde ich nicht darauf abschließen.

Ciprian Marica eilte aus Stuttgart der Ruf eines Stinkstiefels voraus. Diesen Ruf hat er auf Schalke nicht bestätigt. Wahrscheinlich hat er deshalb zumindest bei mir noch mehr Kredit, als man es nach einem ernüchternden halben Jahr vermuten könnte. Noch hat er alle Chancen, sportlich auf sich aufmerksam zu machen.

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7 Kommentare zu “Ciprian Marica”

  1. RWDJojoam 25. Januar 2012 um 12:33 1

    Also in Haifa hat Marica, wie eigentlich die gesamte B-Elf, überzeugt. Auch beim 0:0 gegen Larnaka fand ich, dass Marica in der 1. Hälfte einer der wenigen Aktivposten im Schalker Team war.
    Ich finde den Marica nicht schlechter als Edu. Edu hatte in der letzten Saison das Glück, eine Weile von Beginn an zu spielen. Ich denke, dass Marica auch wertvoller für die Mannschaft wäre, wenn er mal mehrmals hintereinander von Beginn an spielen würde. Aber dafür müsste sich der Hunter verletzen, was ich nicht hoffe.

  2. Der Hansam 26. Januar 2012 um 08:22 2

    Ist Pukki in der Rückrunde eigentlich weiterhin gesperrt oder gehört er zu den Kandidaten, die nachnominiert werden dürfen?

  3. Matthiasam 26. Januar 2012 um 11:50 3

    Meine kurze Antwort auf die Frage: Teemu Pukki ist auch in der Rückrunde in der Europa-League nicht spielberechtigt.

    Und jetzt die lange Erklärung, wie ich glaube, zu dieser eindeutigen Antwort zu kommen.

    Grundlage ist das offizielle Reglement der Europa-League (hier klicken). Dort heißt es in Artikel 18 (Spielerberechtigung) zunächst einmal ganz allgemein:

    18.07: In der Regel ist ein Spieler innerhalb derselben Spielzeit in einem UEFA Klubwettbewerb (UEFA Champions League und UEFA Europa League, nicht aber UEFA-Superpokal) nur für einen Verein spielberechtigt. Ein Spieler, der in der ersten, zweiten oder dritten Qualifikationsrunde der UEFA Champions League oder der UEFA Europa League eingesetzt wurde, ist jedoch ab der Gruppenphase der UEFA Champions League bzw. der UEFA Europa League für einen anderen Verein spielberechtigt, sofern sein ehemaliger Verein sich weder für die Gruppenphase der UEFA Champions League noch für die Gruppenphase der UEFA Europa League qualifiziert hat; außerdem kann ein Spieler ab dem Sechzehntelfinale (Achtelfinale für die UEFA Champions League) gemäß den Bestimmungen in Absätzen 18.18 bis 18.21 unten nachgemeldet werden. Ein Ersatzspieler, der nicht eingesetzt wurde, ist für einen anderen an der UEFA Champions League oder der UEFA Europa League derselben Spielzeit teilnehmenden Verein spielberechtigt, sofern er in Übereinstimmung mit vorliegendem Reglement bei der UEFA-Administration registriert ist.

    Dieser Passus sorgte bereits im Sommer für einige Verwirrung, weil Teile der Presse meinten, daraus gelesen zu haben, dass Pukki doch spielberechtigt sei. Dabei wurde übersehen, dass Schalke und Helsinki nicht in der „dritten Qualifikationsrunde“ (Q3), sondern erst eine Runde später im Entscheidungsspiel (oder auch „Playoff“, PO) aufeinandertrafen.

    Dann geht es weiter mit:

    18.18: Für alle Spiele ab dem Sechzehntelfinale darf ein Verein höchstens drei neue spielberechtigte Spieler für die im laufenden Wettbewerb verbleibenden Spiele nachmelden. Die Nachmeldung muss bis spätestens 1. Februar 2012 (24.00 Uhr MEZ) erfolgen. Diese Frist ist nicht erstreckbar.

    Soweit, so gut. Schalke wird als einen dieser drei Spieler Chinedu Obasi nachmelden. (Timo Hildebrand wurde übrigens über die Sonderregel „Verletzter Torwart darf jederzeit ersetzt werden“ außerhalb der Fristen angemeldet.)

    Weiter im Text:

    18.19: Einer der drei Spieler des oben genannten Kontingents kann ausnahmsweise nachgemeldet werden, auch wenn er bereits in einem UEFA Klubwettbewerbsspiel von einem anderen Verein in der aktuellen Saison eingesetzt wurde. Voraussetzung hierfür ist, dass er nicht
    – für einen anderen Verein im selben Wettbewerb eingesetzt wurde; oder
    – für einen anderen Verein eingesetzt wurde, der derzeit im selben Wettbewerb vertreten ist.
    Wenn der neue Verein des Spielers in der UEFA Europa League vertreten ist, darf sein früherer Verein in der laufenden Spielzeit zu keinem Zeitpunkt in der UEFA Europa League vertreten gewesen sein.

    Dieser Passus beträfe bspw. Jefferson Farfán, wenn er jetzt noch zu einem CL-Teilnehmer wechselte. Dieser Verein könnte Farfán nachnominieren, da CL und EL zwei unterschiedliche Wettbewerbe sind. Wechselte Farfán nun aber zu Manchester United – die bekanntlich in diesem Jahr noch kein EL-Spiel absolviert haben, es demnächst als Gruppendritter ihrer CL-Vorrunde aber tun werden – wäre er nicht spielberechtigt.

    Beim Beispiel Farfán ist der Fall klar. Aber wie sieht es jetzt mit Pukki aus? Da kann ich leider nur vermuten:

    Die UEFA unterscheidet immer wieder zwischen „der Gruppenphase“ und „den Qualifikationsspielen“. Schalke und Helsinki trafen nicht in der Qualifikationsspielen aufeinander (Q1 – Q3), sondern im „Playoff“. Dieses Entscheidungsspiel scheint für mich „rechtlich“ bereits ein Teil „der Gruppenphase zu sein“ zu sein.

    In Artikel 18.20 wird noch einmal deutlich, dass die UEFA zwischen Q1 – Q3 und alles was danach kommt unterscheidet:

    18.20: Wurden einer oder mehrere Spieler des oben genannten Kontingents von drei Spielern von einem anderen Verein ausschließlich in der ersten, zweiten oder dritten Qualifikationsrunde der UEFA Champions League oder der UEFA Europa League eingesetzt, so können sie nachgemeldet werden, sofern sich der andere Verein weder für die Gruppenphase der UEFA Champions League noch für die Gruppenphase der UEFA Europa League qualifiziert hat.

    Fazit: So wie ich das Regelwerk verstehe, trifft auf Pukki das Ausschlusskriterium aus 18.19 zu. Hier meine ich den Passus „ für einen anderen Verein im selben Wettbewerb eingesetzt wurde“. Es steht und fällt damit, wie die UEFA das Playoff bewertet. Gehört es schon zu „dem Wettbewerb“, oder nimmt es wie die Qualifikationsspiele eine untergeordnete Sonderrolle ein? Nach allen Erfahrungen des Somers sowie der immer wieder expliziten Trennung zwischen Q1 – Q3 und dem Rest tendiere ich eindeutig zu Letzterem.

    Aber, wie gesagt: Das ist nur eine Vermutung. Gegenbeweise nehme ich gerne an.

  4. Carlito69am 26. Januar 2012 um 13:13 4

    Zuerst zu Marica: von ihm hatte ich mir mehr versprochen, allerdings wird/wurde die Latte von Raúl und Huntelaar verdammt hoch gelegt. Aber Pukki hat sich nach meiner Meinung auch aus dem Stand heraus besser präsentiert und hatte zudem das Glück, dass er auch noch ziemlich zügig eingenetzt hat.

    Zu Deinen weiteren Ausführungen: danke für diese umfangreiche Recherche und Aufklärung! Ich teile Deine Einschätzung im übrigen. Auch aus dem Grund ist meines Erachtens auch noch zusätzlich im Winter Obasi verpflichtet worden. Und nicht nur um Druck auf Jeff auszuüben, sondern um eine weitere Alternative in der EL zu haben

  5. RWDJojoam 26. Januar 2012 um 14:00 5

    Also ich finde die Bestimmungen ein bisschen schwammig. Aber da Pukki in der Gruppenphase nicht spielberechtigt war, wird das auch für die K.O.-Phase gelten, da sich die Rahmenbedingungen nicht geändert haben.

    Im Übrigen hat Pukki in einem Interview auf der HP schon gesagt, dass er leider nicht im Europapokal für Schalke spielen darf, aber guter Dinge ist, dass er dann in der kommenden Saison sein Eurodebüt im königsblauen Trikot geben wird.

    http://www.schalke04.de/aktuell/news-archiv/einzelansicht/artikel/teemu-pukki-will-endlich-in-einem-heimspiel-treffen.html

  6. Dafeldam 28. Januar 2012 um 21:11 6

    Meine Güte, da hast Du diese Woche aber ein Näschen gehabt mit Deinen Artikeln. Erst der FCB und Facebook vor dem Shitstorm, und heute macht Marica zwei Buden. Respekt!

  7. Markus Schlegelam 29. Januar 2012 um 20:34 7

    Wahrscheinlich hat sich Cippi über deinen Artikel geärgert und wollte Dir so richtig beweisen, daß du schief liegst… Aber genau das ist das Schöne am Fußball – es passieren immer wieder Dinge, die nicht vorhersehbar sind. Man denke dabei auch noch an die Leistungskurve von J. Matip. Schöne Geschichten.