
Ich bin ein Fan der Relegation. Ich fand es 1991 schade, dass dieses System der Entscheidungsspiele um den Auf- und Abstieg im Zuge der Vereinigung des deutschen Fußballs abgeschafft wurde. Ich fand es klasse, als die Relegation urplötzlich im Jahr 2009 wieder auftauchte. Ich finde die Relegation nicht nur „gerecht“, ich empfinde sie als nahezu perfekt. Ich weiß, dass ich damit nicht unbedingt die Mehrheitsmeinung vertrete.
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Über kein Buch wurde unter Fußballfans in den letzten Monaten kontroverser diskutiert, als über die Rudi-Assauer-Biographie „Wie ausgewechselt – Verblassende Erinnerungen an mein Leben“. Das Meinungsspektrum reichte von „gewissenloser Geldmacherei“ über „Ein letzter Tanz mit dem Boulevard“ bis hin zu „Ein bewegendes Werk, das Alzheimer-Patienten und ihren Angehörigen Mut machen wird“. Das Besondere dabei war, dass diese Meinungen oft bereits feststanden, bevor das Buch überhaupt veröffentlicht worden war. Mittlerweile ist es ruhiger geworden. Aus den einschlägigen Bestsellerlisten, die die Biographie in den ersten Wochen nach der Veröffentlichung erstürmt hatte, ist „Wie ausgewechselt“ schon längst wieder verschwunden. Der Hype währte kürzer als man es im Frühjahr vermuten konnte. Aber wie ist es denn nun wirklich, dieses viel diskutierte Buch? Ich war ehrlich gespannt, als ich vor ein paar Wochen das Rezensionsexemplar der Hörbuch-Variante in meinem Briefkasten fand.
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Mit einem Tag Verspätung (mein Spontan-Trip nach Haltern war Schuld) habe ich heute die Ehre, den größten Fußballdeppen des bekannten Universums auszuzeichnen: Mein Bloggerkollege „Phil“ aus der Turnhalle schaffte in der abgelaufenen Spielzeit die meisten richtig falschen Bundesliga-Tipps. In 306 Spielen sagte er nur 63 Mal den korrekten Spielausgang voraus. Am letzten Spieltag leistete er sich zwar noch einmal zwei Treffer, da aber sein ärgster Verfolger „Chipsbacken04“ dreimal die korrekten Spielausgänge tippte und der zum Saisonfinale fehlerfreie „Carlito“ in den Wochen zuvor hatte abreißen lassen müssen, reichte es für Phil, um den Sieg einzufahren. Vor meinen abschließenden Worten hier die Abschlusstabelle der Deppensaison 2011/12.
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Der letzte Auftritt einer Schalker Mannschaft in einem Fußballspiel mit Raúl fand ohne Raúl statt. Der Señor war gestern natürlich in Haltern zugegen und schrieb pflichtbewusst aber auch merklich von zwei Jahren grenzenloser Dauerbewunderung ermüdet Autogramme, doch wer mit der Hoffnung in die „Stausee-Kampfbahn“ gekommen war, einen letzten Lupfer des Superstars zu sehen, wurde enttäuscht. Schalke verzichtete auf seinen Einsatz, genauso wie übrigens auf Klaas-Jan Huntelaar und Jefferson Farfán. Da auch die beiden Initiatoren des Saisonabschluss-Freundschaftskicks – die aus Haltern stammenden Benedikt Höwedes und Christoph Metzelder – das Spiel verletzt an sich vorbeilaufen lassen mussten, war es so gesehen eine kuriose Veranstaltung. Zwar immer noch ein tolles Ereignis für die 3.000 Fans, aber eben doch nicht der „Sportliche Abschied von Raúl“ oder das „Wir gegen uns“, als das das Spiel vorher medienwirksam mit den Konterfeis von Höwedes und Metzelder angekündigt worden war.
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Manchmal bin ich froh, dass ich auf Fußball keine Wetten abschließe. Am Samstag hätte ich Haus und Hof darauf gesetzt, dass Raúl in Bremen noch einmal für Schalke auflaufen wird. Heute Morgen wären sämtliche Ersparnisse auf dem Tipp gelandet, dass Bundestrainer Joachim Löw Schalkes Julian Draxler selbstverständlich nicht in den erweiterten Kader für die Euro 2012 berufen wird. Gut, dass ich es nicht getan habe. Das Trainerteam sehe in Schalkes Mittelfeldtalent „unglaublich viel Potenzial, eine enorme Entwicklungsfähigkeit, große Stärken im Dribbling und eine sehr hohe Spielintelligenz“, antwortete Löw auf die erste Reporterfrage, die sich natürlich um die überraschende Draxler-Nominierung drehte. Es hat in den letzten Jahren wenige Sätze des Bundestrainers gegeben, die ich ähnlich bedenkenlos abnicken konnte.
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Klaas-Jan Huntelaar ist Torschützenkönig der Bundesligasaison 2011/12. In Bremen schoss er die Tore Nummer 28 und 29 und sicherte sich den vom „kicker“ gestifteten Staubfänger mit drei Treffern Vorsprung auf Münchens Mario Gomez. Eine schöne Randnotiz einer weitaus mehr als netten Saison. Und damit lasse ich es für den Moment auch bewenden, denn der Titel des Torschützenkönigs ist zwar ein schöner Erfolg, aber auch nichts, was sich ein Verein in den Briefkopf drucken lässt. Was gab es sonst noch mitzunehmen aus Bremen? Zum einen natürlich einen 3:2-Auswärtssieg und drei Punkte. Ein „Dreier“ ist immer gut, auch wenn er tabellarisch bedeutungslos war. Dennoch ist es schön, mit einem Erfolgserlebnis in die lange Pause zu gehen. Und dann war da auch noch ein Ausblick in die Zukunft, ganz ohne Glaskugel: „Die Zukunft ist ohne Raúl“ hatte Huub Stevens nach dem Spiel ins ZDF-Mikrophon gesprochen und damit die Nicht-Aufstellung des Spaniers erklärt.
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Werder Bremen – das war einmal hip, anders, cool, verspielt, unschuldig, witzig, trendy. Zu Werder Bremen bekannte sich, wer den Etablierten zeigen wollte, was eine Harke ist, ohne sich jedoch einem kleinen Liga-Mauerblümchen verschreiben zu müssen. Werder Bremen war vielerorts das Sammelbecken für Event-Fans, die auch außerhalb von Welt- und Europameisterschaften Fußballluft schnuppern wollten. Und heute? Heute ist Bremen vor allem eines: stinklangweilig.
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In den (Neuer-) Transfervertrag haben Horst Heldt und der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies eine raffinierte Klausel eingebaut. Die sichert Schalke 04 zusätzliche Einnahmen, wenn der FC Bayern mit Neuer in der Königsklasse erfolgreich ist. Zwei Millionen Euro sollen die Westdeutschen durch den Münchner Finaleinzug bereits sicher haben. Bei einem Sieg gegen Chelsea verdoppelt sich die Summe.
… schreibt die „Welt“. Sieht man mal davon ab, dass ausgerechnet die Springer-Presse diese Zahl gestern in den Raum stellte, ist sie schon bemerkenswert. Durch einen Champions-League-Sieg des FC Bayern hätte der FC Schalke in der Königsklasse indirekt mehr „Prämien“ eingenommen, als durch das eigene Vordringen ins Viertelfinale der Europa-League. Verrückt.
Und was bedeutet das jetzt? Müssen wir in zweieinhalb Wochen beim „Finale dahoam“ nun tatsächlich dem FC Bayern die Daumen drücken, damit unser Ex-Torhüter ein paar Dachplanen mehr refinanzieren kann? Können wir uns die Schadenfreude bei einer etwaigen Endspielpleite der Münchner überhaupt leisten? Zählt man mal 1 und 1 zusammen – oder wie in diesem Fall 2 Millionen und 2 Millionen – muss man leider zu dem Schluss kommen, dass Schadenfreude keine klamme Schalker Vereinskasse füllt. Ein Champions-League-Titel der Bayern schon.
Denkt man den modernen Fußball konsequent zu Ende, ist es alles in allem ein echt doofes Spiel.
Die Saison befindet sich auf der Zielgeraden und somit strebt auch unser Anti-Tippspiel dem Ende entgegen. Doch anders als in der Bundesliga wird hier die Entscheidung im Meisterkampf erst am letzten Spieltag fallen. Die besten Karten hat dabei nach wie vor „Phil“, der seine Gesamtführung auch am vergangenen Samstag verteidigen konnte. Realistisch betrachtet kann ihm nur noch „Chipsbacken04“ gefährlich werden, der mit einem Punkt Rückstand und dem schlechteren „Torverhältnis“ auf Platz 2 lauert. Dahinter liefern sich zwar mindestens sechs Mitspieler einen heißen Kampf um den dritten Platz, doch ganz vorne angreifen wird von ihnen wohl keiner mehr. Hier die Auswertung.
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Schalke 04 schlägt Hertha BSC in einem grotesk einseitigen Spiel in der Höhe verdient mit 4:0, auch wenn die Tore letztendlich recht spät fielen. Durch das zeitgleiche 0:0 zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Augsburg ziehen die Königsblauen als Tabellendritter in die Champions-League der Saison 2012/2013 ein. Der jetzt noch folgende 34. Bundesligaspieltag wird für Schalke zu einer Butterfahrt nach Bremen. Doch trotz dieser stolzen Bilanz – Wer hätte vor der Saison schon gedacht, dass Schalke sich erneut in die europäische Eliteliga spielen wird? – wird der vergangene Samstag mehr als ein Tag der großen Emotionen denn des großen sportlichen Erfolges in der kollektiven Erinnerung haften bleiben. König Raúl hielt ein letztes Mal Audienz und der Hofstaat hatte sich noch einmal fein herausgeputzt. Inklusive Fahnenschwenker, Paukenschläger, Showbühne, inbrünstiger Ballade und Spalier stehendem Fußvolk. Raúl auf Schalke – das waren zwei Jahre ganz großes Kino. Am Samstag fand diese schöne Episode der 108-jährigen Clubgeschichte mit einer überbordenden Abschiedsgala ein filmreif inszeniertes Ende.
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